alltag

nach zwei wochen krankschreibung geht es heute wieder los mit der arbeit. es ist 4:30 uhr und ich werde aus dem schlaf gerissen. die tür quietscht. ich bin schon um kurz nach 22 uhr ins bett gegangen, weil ich müde war und ja auch wusste, dass es wieder störungen geben wird. um 23 uhr wird noch die spülmaschine ein-oder ausgeräumt, es wird geklappert und gepoltert. vorher komme ich also eh nicht zum schlafen. das sind 5,5 stunden, und das reicht mir nicht. ich muss ja funktionieren.

durch den druck und die angst, auf der arbeit auch wieder frieren zu müssen, konnte ich auch nicht wieder einschlafen. stattdessen fange ich wieder an, laut vor mich hinzuschimpfen. diese dialoge monologe musste ich während der zwei wochen nicht führen, da ich nicht zu einer bestimmten zeit ausgeruht sein musste. die geräusche tun mir weniger weh, wenn ich weiß, dass ich schlafen kann, wann ich will. aber nun ist es wieder soweit, dass ich sie stärker wahrnehme. mein körper reagiert darauf mit stress.

wenn ich nur wüsste, wo ich mir mit diesen problemen hilfe holen könnte … eine beratungsstelle, die sich darum kümmert, dass ich auf ein leben ohne diesen druck hoffen kann. aber so eine stelle gibt es nicht, die werden alle nur sagen, da müssen sie mit leben und fertig. ich werde ohnehin immer nur ignoriert, meine probleme werden nicht ernstgenommen. ich kann das alles nicht mehr aushalten.

ich werde mich nun wieder zur arbeit schleppen, obwohl meine psyche schon wieder „stopp!“ sagt. und gucken, ob ich den tag irgendwie rumkriege. ich mache immer weiter, bis ich kaputt bin.

einen anderen job finde ich auch nicht. ich weiß nicht, wo mein platz ist in der arbeitswelt. ich fühle mich wie eine 17-jährige, die nicht weiß, welche ausbildung sie machen soll. und das mit 48.

ich bin ja nur eine von millionen von menschen, die ihr leben nicht bewältigen können. und doch fühlt man sich total allein mit diesen problemen. ich möchte manchmal irgendwohin auswandern, in die afrikanische wüste oder in eine andere einöde, um dieser spirale zu entkommen. vielleicht gibt es ja noch andere lebensformen, in denen man nicht gezwungen ist, aufzustehen, wenn der wecker klingelt und wie ein roboter irgendwelche aufgaben erfüllen muss. und ohne mit menschen unter einem dach zu leben, die zu dumm sind zu wissen, wie man sich in einer mietswohnung zu verhalten hat.

ich werde nun noch versuchen, eine halbe stunde zu schlafen. was ich natürlich nicht schaffen werde. ich fühle mich wie ein gehetztes tier. da kann man keine ruhe mehr finden.