quarantäne-tagebuch – tag 3

tag 3 der quarantäne. gleich am vormittag beim frühstücken rief mein teamleiter wieder an. ich sollte mich nochmal bei der corona-hotline melden, um das ganze zu beschleunigen. was genau beschleunigen? laut gesundheitsamt muss ich so oder so 14 tage in quarantäne bleiben. ob man negativ ist oder gar nicht getestet … und ich hatte ja nun selbst keine weiteren kontakte, die man ggfs. informieren und testen müsste. die andere kollegin hatte aber inzwischen schon einen termin für einen test erhalten. vielleicht dachte mein teamleiter, ich müsste dann ja auch so schnell kontakt zu denen haben.

dann rief ich also wieder bei der hotline an. eine halbe stunde lang blieb ich in der warteschleife, dann hatte ich die schnauze voll von der melodie, die da lief. ein paar stunden später rief ich wieder an, diesmal ging nach etwa 10 minuten jemand dran. ich sagte ihm, was los sei, und er sagte mir dasselbe wie die dame am samstag schon. man könne da nur abwarten. ich fragte den mitarbeiter noch, ob die info richtig sei, dass man 14 tage in quarantäne muss, auch wenn man keine symtome hat oder negativ getestet wurde. ja, sagte er. und ob er wisse, wie das ist mit briefkasten leeren und müll wegbringen. er sagte, das sei verboten, ab den zeitpunkt, wo das gesundheitsamt sagt, dass ich nun in quarantäne bin. die tage vorher seien ja nur eine freiwiliige quarantäne meinerseits, da könne ich theoretisch auch zur mülltonne gehen. hä? was ist das denn für ein blödsinn??? ich denke, die quarantäne beginnt mit den wissen, dass man mit einer infizierten person kontakt hatte? und endet, sofern man keine symptome hat, dann nach 14 tagen. wenn sich nun das gesundheitsmat meldet und erst ab diesem zeitpunkt erst anfängt, die 14 tage zu zählen, bin ich ja noch länger zu hause 😦

später rief dann wieder mein teamleiter an und berichtete mir, dass sie sich mit dem gesundheitsamt kurzgeschlossen haben und denen meine daten gegeben haben, in der hoffnung, dass es nun etwas schneller geht. und dass die andere kollegin ein negatives ergebnis hat 🙂 da war ich echt erleichtert, das zu hören.

was ich aber nicht verstanden habe, war, dass mein teamlediter im telefonat sagte, wir, also diese negativ getestete kollegin und ich könnten dann voraussichtlich am montag wieder zur arbeit kommen. also keine 14 tage? das steht doch überall als info. wofür habe ich mir nun so viele lebensmittel bestellt? und wie kommen die darauf, dass man nach einer woche schon nicht mehr ansteckend ist? wann wird astrid wiederkommen? ich habe langsam den eindruck, die infizierten werden teilweise viel zu früh wieder aus der quarantäne entlassen, und sind dann vielleicht noch ansteckend. das macht mir angst. corona-tests sind ja auch oft fehlerhaft, und negativ getestete sind dann doch infiziert.

taj nun weiß ich gar nicht, wie lange die isolation hier andauert. das wüsste ich schon gerne, damit ich mich darauf einstellen kann.

mal sehen, wann ich endlich den anruf vom gesundheitsamt bekomme. und welche quarantäne-zeit sie mir nennen.

quarantäne-tagebuch – tag 2

heute hatte ich schon mein erstes tief, bzw. war das eigentlich schon gestern. ich dachte ja, ok, meine vorräte halten zwar nicht zwei wochen lang, aber ich kann mir ja was online bestellen. gibt es doch lebensmittel-lieferdienste wie rewe oder edeka, oder auch amazon. doch die ernüchtende wahrheit ist, man bekommt nicht einfach mal lebensmittel geliefert.

bei rewe hatte ich gestern bestimmt eine stunde lang im online-shop verbracht, da der mindestbestellwert von 50,- euro für mich eine ganz schöne herausforderung ist. ich kaufe grundsätzlich günsig ein und gebe meist nicht mehr als 25€ auf einmal aus, dieser betrag ist schon eine ausnahme. als ich dann zur kasse ging und den liefertermin festlegen wollte, kam die böse überraschung: die nächsten zwei wochen sind alle liefertermine belegt. na super.

bei edeka24 musste ich wenigstens nicht meine zeit verschwenden, denn dort bekam ich direkt eine meldung, dass derzeit nur an bestandskunden geliefert wird … schön.

tja, dann eben amazon. aber als ich da anfing, den warenkorb zu füllen, sah ich, das lebensmittel nur über amazon fresh bestellt werden können. und das wiederum setzt voraus, dass man prime-kunde ist. na super! selbst nicht-kühl-artikel wie nudeln kann man so nicht bestellen. aber ich wollte ja nun auch milch, joghurt, kartoffeln und anderes gemüse haben.

die liebe kathi bot mir dann an, es zu bestellen und an meine adresse liefern zu lassen. also packten wir fleißig den warenkorb, aber dann … wieder keine liefetermine mehr frei! ach nö 😦 und man konnte nur die nächsten vier tage auswählen. das ist doch kacke.

anscheinend wird derzeit soviel bestellt, dass die anbieter total überlastet sind. was macht man denn dann, wenn man in quarantäne und alleine ist?

nun habe ich erstmal bei rossmann einige sachen bestellt. zwar bekomme ich dort nicht die frischen lebensmittel, aber wenigstens irgendwas. das paket wird voraussichtlich ende der woche kommen, was ja noch okay ist, da ich dann ganz sicher nachschub brauche. bis dahin komme ich hoffentlich mit den vorhanden vorräten aus.

heute bin ich übrigens genau ein jahr in hamburg! wow, wie die zeit vergeht. und ich bin immer noch glücklich, dass ich den umzug hierher geschafft habe. trotz aller umstände fühlt es sich nach wie vor richtig an, diesen schritt gegangen zu sein.

ach ja, gesundheitlich bin ich immer noch symptomfrei. wenn ich glück habe, kommt nichts mehr. wollen wir es mal hoffen!

sonntags-gedanken

eine woche urlaub ist vorbei. ich wünschte, ich könnte noch länger zu hause bleiben. der gedanke an die arbeit morgen gefällt mir nicht. es ist aber nicht die arbeit selbst, die mich nervt. es ist der weg zur arbeit, das zusammensitzen mit den anderen kolleginnen (ihr wisst ja, die temperaturenund so …) und vor allem die angst, mich mit corona anzustecken. meine lieblings-kollegin hatte mir am donnerstag erzählt, dass es inzwischen schon den zweiten corona-fall gegeben hat. diesmal in der 5. etage. wann kommt das virus in der 6. etage an??? und werde ich davonkommen? ich habe absolut keine lust, mir das virus einzufangen. warum wird es einem nicht freigestellt, ob man zur arbeit kommen will oder nicht? hätte ich die wahl, ich würde zu hause bleiben.

die woche habe ich mir eine wohnung angeguckt. nur zwei häuser weiter. die wohnung wäre etwas größer als meine jetzige, hat einen großen balkon und einen waschmaschinen-stellplatz. also eigentlich genau das, was mir noch fehlt. was ich mir wünsche. nachteil: 3 etage. vorteil dabei: keine dachschrägen und das letzte geschoss, also keine nachbarn oben drüber. klingt eigentlich alles gut. natürlich kostet sie auch mehr, mehr, als ich eigentlich zahlen will an miete. aber ich kann es mir leisten.

trotz der vielen positiven aspekte bin ich noch am überlegen, ob ich mir den stress antun will. wieder ausziehen, wieder alles in die neue bude schleppen. wieder neuen telefonnaschluss, renovieren und das alles. und ich habe ja weiterhin den lärm meiner straße, den ich nicht sehr mag. und ob ich im sommer den balkon wirklich genießen kann, ist fraglich. ein bisschen hadere ich noch mit meiner entscheidung.

ob sich das alles überhaupt noch rentiert, wer weiß schon, was morgen ist, ob ich da nicht schon unter einem sauerstoffgerät vor mich hinvegetiere. habt ihr auch solche gedanken?

bleibt gesund. oder werdet es, falls ihr schon erkrankt seid. hoffentlich ist dieser alptraum bald vorbei.

fallende blätter

nun ist schon oktober. die zeit vergeht ganz schön schnell. wäre dieses doofe virus nicht, wäre dieses jahr wesentlich schöner. ich kann es nicht so recht genießen, endlich in hamburg zu sein. ich wollte hier so vieles machen. auf konzerte gehen, ins kino, ins museum. ich wollte ganz oft ans meer fahren, wo ich nun so dicht dran wohne. bisher war ich nirgends davon. ich war natürlich schon viel unterwegs in der stadt. aber irgendwie läuft das jahr bisher mit angezogener handbremse. ich hoffe, corona wird uns nicht noch jahrelang so ausbremsen. das macht alles keinen spass.

im job gibt es auch keine veränderung. ich friere immer noch. wandere von einem raum zum nächsten, um zu testen, ob ich da sitzen kann. mein teamleiter hat keine lösung für mich. und ich bin bald am ende, mir geht die situation so auf die psyche. was ist das für ein arbeitsplatz, wo man nicht mal einen festen und warmen platz hat??? letzte woche saß ich in dem kleinen raum mit nur vier arbeitsplätzen für drei tage alleine. war das schön. ich hatte wieder richtig lust, zur arbeit zu kommen. am donnerstag kamen dann zwei frauen aus einer anderen etage zu mir. aus dem beschwerde-team. klare ansage der einen: das fenster ist auf, die heizung bleibt aus. tja, was soll ich da noch entgegnen, wenn ich sowas höre.

paar tage vorher gab es mit einer eigentlich ganz lieben kollegin auch einen krassen vorfall. ich kam um kurz vor 9 ins büro, wo wie immer die anderen schon eine weile am arbeiten waren. erstmal war es dunkel, kein licht war an. und ich merkte sofort die kälte im büro. draußen nur 11°c grad, fenster geöffnet. ich habe erstmal die heizung bei mir angemacht. aber bei der größe des raumes bringt das nicht viel. also ging ich mal durchs zimmer und guckte, ob die anderen die heizung wenigstens anhatten. natürlich nicht. ich fragte diese kollegin, ob sie denn die heizung anhätte, und wollte eine schon etwas aufdrehen. da meinte die kollegin: „wir wollen das nicht“. und ich könne nicht bestimmen, ob die heizung angemacht wird, das könne ich bei mir machen, aber nicht bei denen. wow. ich war platt. mein argument, dass der raum viel zu groß sei, um mit einer heizung den raum zu erwärmen, brachte nichts. und auch meine entgegnung, dass sie da mit dicker decke und dickem schal säße, stieß nur auf weiteren unmut. ich sagte, ok, alles klar, packte meine sachen und setze mich nach rücksprache mit der teamkoordinatorin, da mein teamleiter noch nicht da war, in den kleinen raum, der ja leer war. heulte erstmal eine runde. bald kam der teamleiter zu mir, ich erzählte ihm unter tränen von dem vorfall und sagte, für mich sei der raum passé, ich werde mich da nicht mehr reinsetzen. er meinte, er werde mal mit der kollegin sprechen. später sie dann in mein zimmer und hat sich mit mir ausgesprochen, sich entschuldigt. sie war ganz lieb, so wie ich sie kenne. das ändert aber nichts an der tatsache, dass ich in diesem raum nicht die fenster zu- und die heizung anmachen darf.

ich bin für großraumbüros anscheinend nicht gemacht. wen wundert’s, bin ja eh so eine einzelgängerin. auch wenn ich es mag, mit kollegen zusammen zu sein. aber eben nicht mit jedem. ich fühle mich am wohlsten allein.

was mache ich nun ab montag? es wird noch kühler, und dann werde ich wohl auch aus dem kleinen raum flüchten müssen. ich kann mich noch vorübergehend auf einen platz in einem anderem raum setzen, weil ein kollege länger weg ist. aber auch dort ist es wohl zu kühl für mich. ich mache schon freiwillig spätschicht, damit ich wenigstens ab nachmittag hoffentlich den raum etwas wärmer kriege. aber das ist auch keine lösung. ich weiß echt nicht weiter. kündigen? und dann kriege ich kein geld vom amt … ist doch scheiße! aber mir wird schlecht, wenn ich an die arbeit denke. krank schreiben lassen? auch keine option. oder doch? bald bin ich eh reif für den seelenklempner …

tja, und die wohnung … ist zwar momentan eher ruhig, was zumindest eine erleichterung ist, aber die angst ist immer da, dass es plötzlich wieder schlimmer wird. das sitzt schon so fest , ich habe ein trauma. und ich möchte so gerne meine wäsche in der waschmaschine waschen können. es ist so mühsam. meine handtücher werden nicht richtig sauber, die riechen schon nach kurzer zeit wieder muffig, oder sogar schon, wenn sie trocken sind. im nassen zustand riechen sie eigentlich frisch. manchmal riechen auch andere wäschestücke nicht ganz neutral, dann habe ich sie wohl nicht heiß genug gewaschen oder nicht lange genug ausgespült. oder es dauert einfach zu lange, die sachen zu trocknen. ich hätte so gerne wenigstens eine wäscheschleuder, aber ich will mir keine kaufen, denn wenn ich dann vielleicht doch noch eine neue wohnung finde, brauche ich die dann bald nicht mehr. ob sich eine anschaffung noch lohnt? gebrauchte mag ich nicht kaufen, die sehen alle schon so schäbig aus, und ich habe damit ja generell ein problem. dann könnte ich ja gleich in den waschsalon gehen.

hach, alles nicht so einfach.

should i stay or should i go?

kündigen oder nicht kündigen? ich bin hin- und hergerissen. ich ringe jeden tag im büro wieder mit mir selbst: soll ich mir das weiterhin antun? warum? bin ich nichts besseres wert? muss ich mich ständig für irgendwas rechtfertigen oder tolerieren, dass andere machen, was sie wollen???

nachdem es diese woche ja sehr warm ist, und ich am montag meinem teamleiter mein problem geschildert und gefragt hatte, ob es eine möglichkeit gäbe, nicht in der zugluft zu arbeiten, kam er kurz nachdem er meine E-Mail bekommen hatte auf mich zu. zuerst schlug er vor, dass ich mich in die mitte des raumes setze. aber da ja dort auch noch der ventilator hinwehte, war das keine lösung. dann meinte er zu den anderen, die tür müsse halt zu bleiben. zuerst war kurz ruhe, aber schon bald schlichen die zwei kolleginnen, die die tür gerne offen haben wollen, zu mir heran. während die eine mich nicht mal ansah und lieber den boden begutachtete, versuche die andere, mir zu erklären, dass ihnen warm sei. wie die beiden vor mir standen … als ob sie angst vor mir hätten. seltsam. ich versuchte auch mein problem noch einmal zu erklären, und wir einigten uns darauf, dass wir abwechselnd die tür auf- und zumachen. schön.

die nächsten stunden schloss und öffnete ich die tür also im halb-stundentakt, das machte ich freiwillig, da ich den beiden auch zeigen wollte, dass ich kein unmensch bin (ich hatte immer noch dieses gespräch vor augen …). alles klar soweit, kein gemecker.

heute stand die tür bereits offen, als ich kam. und obwohl ich mich nicht sehr wohlfühlte, habe ich die tür vier stunden offengelassen. als es dann mal heftig zog, machte ich die tür zu. keine viertelstunde und sie wurde wieder geöffnet … und das blieb sie dann auch für den rest des tages. auf die idee, für mich mal die tür eine weile zu schließen, kommen die beiden natürlich nicht, obwohl es so vereinbart war. denn solange ich mich nicht beschwere, haben die das schon vergessen oder denken, ich finde es okay. aber ich habe keine lust, so etwas immer und immer wieder sagen zu müssen, jedesmal fragen müssen, ob die tür mal einen halbe stunde zugemacht werden kann.

ich habe es satt, so satt. ich würde am liebsten kündigen. aber ich mag den job. ich will nur nicht in der zugluft sitzen 😦  ich sitze da oft und weine still vor mich hin. stelle mich dann auf „nicht bereit“, damit keine anrufe reinkommen. mein teamleiter wird mich bestimmt bald fragen, warum ich nicht die ganze zeit auf „bereit“ stehe. aber ich kann ja schlecht weinend mit den versicherten telefonieren.

andere hätten sich schon längst krank schreiben lassen. oder hätten sich was anderes gesucht. aber das fällt mir doch so schwer … warum gibt es diese beknackten großraumbüros??? verdammter mist. ob es was bringt, mit dem betriebsrat zu sprechen? wenn kein platz für mich ist, dann nützt es wahrscheinlich wenig. es wird anscheinend überall gelüftet und durchzug gemacht.

ich fühle mich so beschissen!