sie ist weg

das war er. mein letzter arbeitstag bei der krankenkasse. 1,5 jahre habe ich dort verbracht. zuerst über die zeitarbeitsfirma in vollzeit, nach einem halben jahr dann in teilzeit mit 6 stunden täglich. ich mochte den job, es gab aber auch dinge, die ich blöd fand, wie überall. ich habe jedenfalls eine menge gelernt. und ich bin schlauer und weiß nun, dass ich mich alleine im büro wesentlich besser fühle. es gab ja viel unmut und stress wegen der ständigen lüfterei. in diesen großen räumen dort zog es, sobald mehr als ein fenster offenstand, teilweise sogar schon, wenn nur eins geöffnet war. bei etwas windigem wetter hörte sich das an, als ob hui buh durch das gebäude fliegt, ein pfeifen und wackeln der türen war das, dass man sich am liebsten an der tischkante festhalten wollte, um nicht wegzufliegen.

es gab gutes und schlechtes. ach ja. so sehr diese krankenkasse bemüht um ein makeloses image ist, es ist nicht alles immer so toll, wie es scheint. da läuft vieles nicht fair ab, und vieles wird einfach unter den teppich gekehrt. es gibt vetternwirtschaften und man sollte meinen, teamleiter seien unparteiisch, aber wenn da jemand mit einem TL befreundet ist, hat der andere keinen guten karten. ich habe es ja selbst erlebt und wurde regelrecht aus einem büroraum gemobbt.

dann die „lieben“ kollegen. hintenrum wird ordentlich gelästert, es gibt scheinheilige und fiese, unfreundliche und arrogante mitarbeiter, puh. es wurde gemeckert, wenn man das licht anschalten wollte. ganz zu schweigen von den fenstern auf dauerlüftung, auch im winter, und das ohne heizung. und es gab welche, die nicht mal gegrüßt haben. die sich zu fein waren, mit den „neuen“ zu sprechen. und es auch nicht geschafft haben, später über ihren schatten zu springen.

aber ich werde mich am längsten an die sehr lieben kollegen und kolleginnen erinnern. davon gab es auch genug. jeder hatte seinen charakter, aber gab es viele nette und ehrliche mitarbeiter. und eine lieblinsgkollegin, die mich von anfang an an meiner seite stand. so eine bezugsperson ist wichtig für mich, sie gibt mir sicherheit.

ich hatte heute während der arbeit eine rundmail an alle, die mir wichtig waren, geschickt. bis auf ein paar wenige sind ja alle zu hause und arbeiten mobil. so konnte ich mich auch bis auf ein paar ausnahmen nicht persönlich verabschieden. aber es kamen einige liebe rückmeldungen, und einer rief mich sogar an, was mich überraschte, damit hätte ich von diesem kollegen gar nicht gerechnet.

was mich auch sehr freute, war der anruf der (eigentlich vertretungs-) teamleiterin. denn mein TL ist gerade im urlaub und hatte sich auch vorher nicht von mir verabschiedet. was ich etwas enttäuschend fand. sie war sehr nett und hatte mir alles gute gewünscht. und was mich sehr gefreut hatte, war, als sie sagte, sie habe meine art immer sehr gemocht, weil ich so authentisch bin. sowas hört man doch gern.

tja, nun habe ich noch drei tage urlaub bis zum monatsende, und dann gehe ich auf die suche nach einem neuen job. mal sehen, wo ich diesmal lande.

wenn ich zurückdenke an die zeit, in der ich davon geträumt habe, einen job und eine wohnug in hamburg zu bekommen, damit ich hier leben kann, und wie aussichtslos sich das anfühlte. und als ich dann hier war und beides hatte, wohnung und job … ich kann ja mit der bisherigen entwicklung sehr zufrieden sein. oder mich glücklich schätzen.

bye bye krankenkasse

am mittwoch habe ich erfahren, dass mein arbeitsvertrag, der auf ein jahr befristet war, nicht verlängert wird. ich weiß gar nicht, ob ich darüber traurig oder froh sein soll. die enttäuschung war zwar erst doch so groß, dass mich das mitleidige gefasel meines teamleiters zum weinen brachte, aber schon gestern hatte ich mich eher befreit gefühlt. es gab genug dinge, die da nicht so liefen, wie sie sollten. insbesondere die situation im großraumbüro mit anderen kollegen, die einfach egostisch und rücksichtslos die fenster dauerhaft geöffnet hatten, und ich unter zugluft und kälte litt. und mein teamleiter hatte ja keine lust, die sitzordnung so zu verändern, dass es allen gut geht. es gab ja durchaus noch andere, die ebenfalls keine zugluft vertrugen oder im winter frieren mussten. oder die ständige diskussion „licht aus, licht an“ hatten. auch da gab es immer diskrepanzen. ich bin auch sicher, das dies der grund für meine entlassung ist, und nicht wie vom teamleiter erwähnt die qualität oder quantität. so schlecht war ich nämlich nicht. auch von anderen kollegen hörte ich schon mehrmals, dass man oft unter einem anderen vorwand gehen muss.

wie dem auch sei, ich fand es abgesehen von den unangenhmen faktoren sehr schön dort. im großen und ganzen war es ein sehr angenehmes team, und ich werde ein paar leute sicher vermissen, vor allem meine lieblingskollegin. aber inzwischen war ja eh kaum noch jemand vor ort, alle zu hause im „mobilen arbeiten“, wie es in meiner firma genannt wurde. das war für mich natürlich die letzten wochen angenehmer, da stressfreier. denn die angst, dass es wieder problematisch für mich wird, war ja doch da. und so konnte ich alleine im raum sein und war wesentlich entspannter.

eine „kollegin“, die leider noch ins büro kommt, werde ich allerdings nicht vermissen. die niemanden grüßt und die toilette wie ein schwein hinterlässt. von den meisten wird sie nur die „untote“ genannt, weil sie wie ein zombie durch den gang schluft und total lustlos oder wie auf drogen wirkt. vielleicht ist sie das auch. jedenfalls haben sich schon viele über sie geärgert, denn sie hinterlässt ständig irgendwelche spuren auf der klobrille oder im klo. urin, kot, blut, schamhaare. sie spült auch oft nicht, da liegt immer klopapier in der schüssel. wäscht sich teilweise wohl nicht mal die hände. ekelhaft. aber am mittwoch hat sie den vogel abgeschossen. da hing neben den oben genannten spuren auf beiden (!) klos eine durchnässte klorolle am abroller! die hat sie wohl ins klo fallen lassen und anschließend wieder aufgehängt … ohne worte. allein aus diesem grund bin ich froh, dass ich da bald nicht mehr bin. denn sie darf wohl noch bleiben.

und da ich ja kein home office machen durfte und sich die firma nicht die mühe machen wollte, mir den monitor zu bringen, bin ich froh um jedem tag, den ich derzeit nicht mit dem ÖPNV fahren muss. schlimm genug. und dann noch mit FFP2-maske, mit der ich nicht atmen kann und sie zwei mal täglich jeweils eine stunde am stück mit der hand von meinem gesicht weghalten muss, um nicht zu hyperventilieren und extreme kopfschmerzen zu bekommen.

also warum traurig sein? es kommt vielleicht was besseres. oder gar nichts … auch egal. ich werde schon irgendwie weiterleben. und wenn ich unter der brücke lande, dann wenigstens unter einer hamburger brücke 😉

ich muss ohnehin endlich mal was anderes machen, nicht diese otto normalo-jobs. ich fühle mich oft wie eine schiffbrüchige, die orientierungslos im meer schwimmt und den hafen nicht findet. kann man mit bald 50 jahren immer noch nicht wissen, wo die reise hingeht? das, was ich machen will, dazu finde ich keinen zugang. das traue ich mich auch gar nicht. und das andere traue ich mich auch nicht, aber der staat zwingt einen dazu, etwas zu machen, und daher tu ich es halt. aber es ist nicht das, was ich will, was mich erfüllt. ich hoffe, das ist keine midlife-crisis!

wie sang ozzy doch so schön … i’m just a dreamer, i dream my life away … 🙂