arbeitssituation

inzwischen hatte ich zwei vorstellungsgespräche, eine bei der zeitarbeitsfirma und eine bei der DHL, das war die mitarbeiterwerbende stelle meiner ex-kollegin.

das gespräch bei der zeitarbeitsfirma war sehr angenehm. die dame, die mir mir sprach, war sehr nett und fragte mich einiges über meinen lebenslauf aus und was ich denn gerne machen wolle. sie hatte auch zwei stellen parat, die eine war eine vollzeitstelle als datenerfasserin, die ich direkt ablehnte. die zweite stelle war wohl eine der beiden stellen, auf die ich mich beworben hatte, als bürokraft für die poststelle. das wäre auch für eine krankenkasse, sogar recht nah, in hammerbrook. leider würde es schon um 6:30 uhr losgehen, und die vermittlerin sagte, der fahrweg wäre für mich aber dennoch recht lange, da man irgendwie umsteigen müsse und die verbindungen seien nicht so gut. ich stutze. wo das denn sei, denn nach hammerbrook brauche ich ja nur eine viertel stunde. sie sagte nun nicht genau, welche straße, aber den firmensitz konnte ich zu hause dann googeln, und das wäre ja gar nichts schlimm, entweder 12 min. gehen oder mit dem bus, der aber auch regelmäßig fährt, selbst um diese uhrzeit. so ganz verstanden habe ich das nicht, was sie sagte.

ich habe mich aber, auch wenn ich im vorstellungsgespräch sagte, der frühe beginn wäre kein ausschlusskriterium für mich, dennoch dagegen entschieden. denn ich glaube, so früh aufstehen ist doch nicht so einfach, ich bin dann wieder dauermüde den ganzen tag. auch wenn man früh feierabend hat, macht das wenig sinn. ich bin und bleibe eine nachteule.

das gespräch bei der DHL war auch nett, mit zwei personalern. aber irgendwie merkte ich doch schnell, dass ich bei denen einfach falsch bin, also das unternehmen deutsche post an sich. ich hatte ja schon mal das vergnügen, und auch daraus wurde nichts. war vor etwa einem jahr, bevor ich von der TK übernommen wurde. und auch damals wurde ich nicht genommen. was ich aber auch gar nicht wollte, denn mir stand ja in aussicht, bei der tk zu bleiben. ich musste mich da von der zeitarbeitsfirma aus, bei der ich damals noch war, vorstellen.

die beiden von der DHL haben mir einige fragen gestellt, die mit meinem seltsamen lebenslauf zusammenhängen. bedankten sich mehrmals für meine ehrlichkeit und klangen zwar nicht abgeneigt, aber ich hatte auch nicht das gefühl, dass die mich unbedingt einstellen wollen. und die gehaltsvorstellungen von mir, die sicherlich nicht utopisch sind, sondern angelehnt an meinen letzten job, waren leider auch um einiges höher als das, was die mir anbieten konnten. ich bin da aber nicht festgefahren, was mein gehalt betrifft, ich möchte einfach meinen lebensunterhalt verdienen und dabei einen netten job machen.

am montag kam dann der anruf und die absage. ich war eigentlich ganz froh, weil ich wie gesagt nicht sicher war, ob die firma was für mich ist. ich war erleichtert, dass mir die entscheidung abgenommen wurde. wenn man das gefühl hat, es ist nicht das richtige, aber gleichzeitig denkt, wer weiß, ob noch was besseres kommt, ist es verdammt schwer, nein zu sagen. ich kenne ja meine vermittlungsschwierigkeiten, da lehnt man nicht so leichtfertig ein jobangebot ab. vielleicht ist aber genau das der fehler. ich darf nicht gleich den erstbesten job nehmen.

was ich bei der zeitarbeit verdient hätte, weiß ich übrigns noch gar nicht, da mir das die andere personalerin, die an dem tag nicht da war, „noch genauer erklären“ würde. aber sie sagte auch, an das wunschgehalt kommt es nicht ran.

ich muss ja gut verdient haben in meinem letzten job. dafür wurde natürlich auch viel verlangt, der druck war hoch, die quantität erfüllen zu müssen. diesen druck habe ich mir aber nie gemacht, was ja wohl dazu beitrug, dass mein vertrag nicht verlängert wurde. und dann die geschichte mit der zugluft und kälte. mittlerweile kam mein arbeitszeugnis auch endlich an. und da ich ja mal ein bewerbungstraining hatte, in dem erläutert wurde, was diese wohlwolleneden sätze im zeugnis zu bedeuten haben, weiß ich auch, dass mein zeugnis eher mittelprächtig ist. note 3 also. geärgert hat mich aber die beurteilung, wie ich mit dem vorgestzten und kollegen klarkam. denn da fehlt ein „stets“ in dem satz, dass mein verhalten gegenüber eben genannten einwandfrei war. was nichts anderes bedeutet, als dass es mindestens einmal einen vorfall gegeben haben soll. es ist eine frechheit, dass ich wegen dieser vorkommnisse eine solche abwertung bekomme. aber vielleicht nützt es mir ja auch, denn wenn ich als nicht teamfähig eingestuft werde, muss ich vielleicht nicht mehr arbeiten, jippieh! wer stellt schon jemanden ein, der nicht teamfähig ist? 😉

diese vorstellungsgespräche sind wirklich interessant. man hört durch die fragen, die die stellen, soviel heraus. kann sich dadurch eigene fragen selber beantwoten. und ich glaube, ich bin auf dem „normalen“ arbeitsmarkt komplett falsch. diese erkenntnis hatte ich zwar ich schon im zarten alter von 15, 16 jahren, aber damals war es mehr eine ahnung, ein gefühl. deshalb ja auch mein werdegang: schulabbruch, keine ausbildung, nur gelegenheitsjobs, und die damit verbundene abkapselung von „normalen“ menschen, die einen klassischen weg gehen. da es für viele verstörend ist, wenn sie hören, dass man nicht den üblichen lebensweg geht. birth, school, work, death.

dazu fällt mir gerade eine begegnung mit einer lesbe ein, die mich mal im candyclub in münchen vor zig jahren „angebaggert“ hatte. die üblichen fragen beim kennenlernen kamen auf. „was arbeitest du?“ fragte sie mich. – „nichts.“ antwortete ich. „studierst du?“ – „nö.“ – „hast du eine ausbildung?“ – „nein“. „was hast du denn für einen schulabschluss?“ – „keinen.“ – die fragezeichen im gesicht meines gegenübers wurden immer mehr.

„aber im kindergarten warst du doch hoffentlich, oder?“

in meinem inneren baute sich eine immer größer werdende mauer auf, gleichzeitig unterdrückte ich ein „nein“ und ein schallendes lachen und lächelte nur müde. das war dann auch das ende unserer konversation.

jedenfalls bin ich mir mittlerweile sicher, ich muss irgendeinen job finden, der eher unüblich ist. was auf der jobbörse der arge und co. steht, ist nicht meine welt. ich muss mich trauen und versuchen, auf anderem wege fuß zu fassen. meiner künstlerseele wenigstens ein bisschen entgegenkommen und etwas arbeiten, wo ich mich nicht komplett fehl am platze fühle.

ich werde jetzt wohl dieses coaching machen vom arbeitsamt aus. vielleicht bestätigt sich da nochmal mein gefühl. klar werden die mir davon abraten oder sagen, ich muss eben was finden, was vielleicht nicht meinen vorstellungen entspricht. und bis ich meiner „richtigen“ arbeit näher gekommen bin, muss ich wahrscheinlich erst wieder igendwas machen. aber ich will es wenigstens versuchen, dann brauche ich mir später keine vorwürfe machen, dass ich es nicht wenigstens probiert hätte.

eine ausbildung, schulabschlüsse und studium kommen für mich wohl eher nicht mehr in frage. so gerne ich noch was lernen möchte und wissen will, ob ich es schaffe. ich brauche ja ein gewisses gehalt, um meine miete und das alles zu bezahlen. und ich möchte auch nicht wie ein 18-jähriger azubi behandelt werden, das wird sicherlich zu konflikten führen.

aber mal sehen.

ich habe übrigens wohngeld erhalten 🙂 bin ich froh, ich muss nun vorerst nicht mit dem geld knausern und stehe nicht so sehr unter druck, sofort wieder einen job finden zu müssen. dass macht die situation entspannter.

5 Gedanken zu “arbeitssituation

  1. „aber im kindergarten warst du doch hoffentlich, oder?“
    Mist, musste leider grinsen, weil du das so humorvoll beschrieben hast.
    Das Thema an sich ist allerdings alles andere als lustig…

    Ich kann deine Gedanken, die du beschreibst, wirklich gut nachvollziehen, auch wenn ich noch nie in dieser Situation war. Aber ich kenne die Angst davor, die ich auch viele Jahre gefühlt habe…bevor ich übernommen worden bin. Mein Job ist ja wie ein Sechser im Lotto, aber ohne ihn würde ich wohl auch nirgends Fuß fassen, weil ich ein etwas spezieller Mensch bin, mit dem man erst mal umgehen können muss. Sonst funktioniere ich einfach nicht…

    Und es macht mich traurig, dass unsere Arbeitswelt oft so ist wie sie ist und Menschen wie du es einfach unglaublich schwer haben etwas Passendes zu finden. Aber du hältst dich nach wie vor tapfer! Auch in Gesprächen mit Menschen, die echt blöde Fragen stellen in einer Gesellschaft, die leider unglaublich leistungsorientiert ist und sich nicht vorstellen kann, dass man auch ein Mensch ist, selbst wenn man all das, „was man so haben sollte“, nicht hat.

    Alles Liebe und dir weiterhin viel Erfolg!
    Lui/Journey

  2. @ journey:
    ach, das macht doch nichts, genau das hatte ich ja versucht, es witzig rüberzubringen 😀 das war es ja auch, wenngleich es auch was trauriges hatte.

    danke für deine worte und wünsche 🙂

  3. Cool, du hattest wieder vorgespräche! es geht also voran. 🙂
    die krankenkasse klingt erstmal ganz gut, da es schön dicht bei dir ist. mit dem aufstehen haste natürlich recht. das kann ich nur bestätigen. nachteulen bleiben nachteulen. seufz. wäre für mich auch katastrophal.
    coaching klingt auch okay. dann hat man was um die ohren, auch wenn man nicht arbeitet.
    glückwunsch zum wohngeld! das ist schon eine erleichterung!
    ich würde mir so für dich wünschen, dass deine Künstlerseele einen ihr geeigneten weg findet und sich ein passender job irgendwie finden läßt! ganz doll daumen drück!!!
    gib deine träume nicht auf!

  4. @ abraxandria:
    danke für’s daumen drücken! wäre schön, wenn ich mal etwas finden würde, was ich richtig toll finde, wofür ich brenne 🙂

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