sonntags im witthausbusch

sonntag. zeit, um die akkus wieder aufzuladen. ab morgen muss ich ja wieder funktionieren wie eine maschine. guten tag, guten tag, ich will mein leben zurück …

claudy geht dann immer ins grüne und dorthin, wo tiere sind. das ist meine heile welt. vogelgezwitscher und wasserplätschern, das knacken der zweige unter den füssen und tief einatmen, was die bäume einem schenken.

leider konnte ich meinen alltag und sorgen nicht ganz ausblenden, aber wenigstens ein bisschen besser ertragen. auch wenn ich auf dem nachhausewg in der tram wieder hätte heulen könne. nach hause … zu hause ist eigentlich, wo jemand auf mich wartet, der mich schätzt und sich freut, wenn ich wieder da bin. sowas hab ich ja gar nicht mehr. neulich bin ich mal mit einer arbeitskollegin zusammen ein stück in der tram gefahren, und ich erzählte ihr, dass ich hier wegziehen möchte. sie fragte, ob ich denn hier keine freunde hätte, die ich dann ja nicht mehr sehen würde … mir fiel auf, wie komisch das für andere klingt, sagen zu müssen, dass ich hier überhaupt niemanden habe. wenn man fünf jahre lang niemanden trifft, der zum freund geworden ist. und mir wurde bewusst, dass ich eigentlich gar keine freunde mehr habe. freunde, waren das nicht menschen, die sich gerne mit einem treffen und zeit mit dir verbringen? mit dir lachen und weinen und mit einem reden, wenn man etwas auf dem herzen hat. wenn ich jemals so etwas hatte, ist das schon verdammt lange her. vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet dun es waren schon immer keine echten freunde, und ich war nur zufällig da und hatte zeit. warum bekomme ich eigentlich immer das gefühl, nur ein zufall zu sein im leben anderer? ich bin für vieles gut. zum zuhören, wenn es anderen schlecht geht. als informationsquelle. zum wichsen und ausleben irgendwelcher phantasien. oder um einfach die zeit totzuschlagen, wenn es anderen langweilig ist. dann ist ja immer noch die claudy da. sie ist so nett und hilfsbereit, hat immer ein offenes ohr und kochen kann sie auch, sie sorgt also auch noch für ihre mitmenschen. aber wehe, sie möchte einmal zeit mit diesen verbringen. öhm, sorry, keine zeit. wir haben schon ein ausgefülltes leben, da hast du keinen platz.

das leben macht mich so müde. und ich habe mir schon lange nicht mehr vorgestellt, wie es wäre, wenn mich ein auto über ein zug überrollen würde … manchmal stehe ich da am bahnsteig und denke an sowas. das schlimme ist, dass es mich nicht sonderlich erschreckt.

zum glück gibt es bäume. und laufenten. ziegen und hühner. und schafe. die kommen zwar auch nur zu einem, um futter zu erbetteln oder sich den pelz kraulen zu lassen, weil es am rücken juckt. aber wenigstens darf ich sie anfassen und streicheln. etwas nähe zu anderen lebwesen braucht der mensch einfach. und wenn kein mensch etwas mit mir zu tun haben will, dann muss es eben eine ziege sein, oder ein baum. die beurteilen mich wenigstens nicht.

aufräumen

es ist irgendwie deprimierend, dass ich nun schon meinen kostbaren sonntag (da samstag gearbeitet) damit verbringe, schokos chaos im schlafzimmer aufzuräumen. er selbst hat ja nie „zeit“. aber so kann ich das nicht mehr ertragen. also räume ich seinen mist mit weg, alles nur sachen, die ihm gehören. das bett (die seite, auf der ich früher schlafen sollte) war voll von klamotten, stapelweise papierkram und anderem zeugs. sogar leere verpackungen und anderen müll habe ich gefunden. wie früher in seiner singlewohnung. ob er das problem jemals mit seinem therapeuten besprochen hat? ich glaube ja nicht. es macht mich traurig zu sehen, dass sich nichts geändert hat bei ihm.

ich schaffe es gerade noch so, jeden tag zur arbeit zu gehen. langsam fühle ich mich depressiv durch diese ständige belastung. dazu die zukunfts-sorgen und dann auch noch haushalt. ich mache ohnehin nur das das allernötigste, weil ich auch mal zeit bauche, für mich. keine verpflichtungen erledigen möchte. machmal gehe ich nicht mal mehr einkaufen, obwohl ich etwas brauche. mir fehlt die kraft dazu. es ist winter und kalt. und die bahn fährt hier so selten. das dauert mir alles zu lange. ich möchte einfach nur nach hause. doch dort wartet dann das chaos. ich versuche immer, es mir zu hause so heimelig wie möglich zu machen, aber das geht hier nicht. hier sind überall hässliche ecken. ich fühle mich nicht wohl in so einer umgebung.

ich wünsche mir, dass ich bald eine bleibe finde, in der ich es mir mal wieder richtig gemütlich machen kann. wenn es doch dann auch so ruhig wie hier in der wohnung wäre …