arbeitslos

gestern war mein letzter arbeitstag bei dml. noch einmal zeitschriften, briefe und kataloge in kisten packen … als ich am ende den letzten lieferschein auf die letzte kiste gelegt habe, habe ich das ganz theatralisch getan und laut gesagt: so, jetzt bin ich fertig.

der chef war mal kurz in die halle gekommen, hat alle nach vorne gerufen und eine kleine abschieds- und dankesrede gehalten. wir haben ihm dann applaudiert. manche mussten ein paar tränchen verdrücken, vor allem frau b., die schon seit über 10 jahren dort arbeitete. das ist die frau, die mich damals angelernt hat. der chef meinte, er könne leider nicht mit uns anstossen, da er noch krank sei und nur wegen der abrechnungen in die firma gekommen war. wir dürften uns aber gerne ein gläschen champagner nehmen. brr! gibt’s nichts gescheites? dachte ich. dem chef wurde noch ein kleiner präsentkorb überreicht, und dann verabschiedete er sich von uns. adam spielte auf einem blutooth lautsprecher „time to say goodbye“ ab, das war mir dann auch zuviel, ich ging schnell wieder in meinen gang zum arbeiten. furchtbar, so eine gefühlsduselei.

die meisten waren schon fertig und öffneten draussen den champagner, ich musste noch arbeiten. frau b. rief mich irgendwann und meinte, ich solle doch herkommen und mittrinken, und ich rief zurück, dass ich noch zu tun habe und dass ich eh keinen schampus mag. ich war auch ein bischen zu schüchtern, um in der grossen gruppe zu stehen und zu plaudern.

als ich dann fertig war, packte ich meine sachen und verabschiedete mich von den leuten, die noch da waren. erst isa, sie umarmte mich, was mich doch ein wenig überraschte. aber wir hatten ja den meisten kontakt eigentlich. ihre schwester stand direkt daneben, die drückte ich dann auch. irena sowieso, denn die hatte sich im frühjahr schon einmal für eine weile verabschiedet. anja hatte noch ganz gerötete augen, als ich ihr die hand schüttelte. sie hatte wohl auch geweint.

dann ging ich zu frau b. und sie wünschte mir herzlich alles gute, und als sie dann auch noch sagte, war schön mit dir zu arbeiten, da floss es dann auch aus mir raus. ohje! wieso heule ich da … naja, ich war nicht ausgeschlafen, das wird’s gewesen sein. sie drückte mich und meinte, nicht weinen, und dann kam marion dazu und drückte mich auch. da heulte ich immer mehr. die anderen guckten schon, und adam spielte „time to say goodbye“ wieder ab und grinste. ich sagte: „adaaam, mach das aus!“ ich mag keine abschiede. auch wenn ich teils ja froh war, aus dem saftladen raus zu sein. endlich kein stinkemann mehr riechen müssen, juchu! aber die anderen waren alle echt gute kollegen. die nett waren, aber nicht zu aufdringlich, keiner hat mich jemals ausgefragt oder ist mir sonst wie auf die pelle gegangen. nur so hat’s funktioniert, dort zu arbeiten. hätte ich mich unwohl gefühlt, wäre ich wohl schon längst wieder gekündigt. liebe kollegen sind eigentlich das wichtigste am job.

irgendwann sagte ich dann zu den beiden frauen, sie müssten nun aber aufhören mich zu knuddeln, sonst höre ich nie auf zu heulen. adam drückte mich sogar auch noch, und ein paar anderen musste ich mit verheultem gesicht auf wiedersehen sagen.

so ganz habe ich meine reaktion nicht verstanden, aber ich hatte wie gesagt auch zu wenig geschlafen, da werde ich ja schnell weinerlich. und ich hab mich von der stimmung anstecken lassen. is ja nicht schlimm, wäre man schon jahrelang dort gewesen und hätte viel mit den anderen zu tun gehabt. aber ich war ja eher zurückhaltend und ich glaube, die anderen haben sich eher gewundert, dass ich da so reagiere. aber frau b. hat auch so eine mütterliche und warme art, sternzeichen löwe halt 😉 und sie hat mich gut angelernt damals.

tja, nun bin ich traurig und froh zugleich. es hat auch sein gutes, dass da jetzt schluss ist, denn auf dauer brauche ich sowieso mehr geld, und dieser stinkemann und die kälte im winter waren auch nicht das wahre. dauernd fehlten kisten, und die warterei zwischendurch werden mir auch nicht fehlen.

vermissen werde ich die tätigkeit an sich. die lieben kollegen und die lässigkeit. ich musste nicht pünktlich sein und konnte sogar nach meinem ermessen die arbeit beginnen. und wenn ich dachte, ich geh ’ne stunde später hin, hat niemand was gesagt. hauptsache, man wurde rechtzeitig fertig, aber da man eh oft warten musste, war das ja nie ein thema.

tja, nun muss ich mir wohl oder übel einen neuen job suchen. bisher bin ich noch nicht aktiv geworden, wenn ich stellenanzeigen entdeckt habe, die vielleicht passen. wie immer bin ich da ja sehr vorsichtig und ängstlich. ich hoffe, ich finde bald was. ich würde gerne wieder sowas in der art machen. alles besser als putzen! das ist so anstrengend. aber mal sehen, was sich ergibt. ich muss mich einfach überwinden und auch mal was ausprobieren, wovor ich mich fürchte. ich kann ja gehen, wenn es mir nicht gefällt.

ich wünsche mir, dass es wieder eine gute erfahrung wird im nächsten job.

2 Gedanken zu “arbeitslos

  1. uff, das ist hart! tut mir leid, dass es nun vorbei ist. sehr schade.
    ich hoffe, du findest einen guten neuen job, der dir gefällt! daumen drück!!!
    wenn die arbeit vorbei ist, kommt erst mal das große loch… was tun mit der neugewonnenen zeit?
    halte durch, süße! du findest was neues! hab vertrauen!
    drück dich! 🙂

  2. @ abraxandria:
    danke, ich hoffe, ich rufe bald irgendwo an, kennst mich ja, es fällt mir schwer … die überwindung, was neues, das macht mir immer angst.

    ein loch ist da aber nicht, ich komme gut ohne arbeit aus, hab ja genug beschäftigung 🙂 das einzige, was fehlt, ist die bewegung, da muss ich mir alternativen suchen. und der lohn wird mir auch bald fehlen 😀

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