reisetagebuch – 17.05.11: gera

hatte nicht viel schlaf und fühle mich irgendwie fiebrig. man kommt so schnell ins schwitzen wenn man nicht ausgeschlafen ist. irgendwas stimmt dann mit der temperaturregelung im körper nicht. ich fühle mich klebrig und hässlich, die duschwand geht nicht zu, da blockiert der zahnputzbecher an der wand, blöd konstruiert aber auch… na gut, wollte mich ja eh nicht hübsch machen für w., damit er nicht denkt, ich will ihn anbaggern. je hässlicher, desto besser. aber ich fühle mich schlampig, und das mag ich nicht, was soll er von mir denken? was soll j. von mir denken?

bepackt mit koffer, rucksack und stoffbeutel mache ich mich auf den weg zum s.b., gehe aber einen riesen umweg, komme ins schwitzen und möchte am liebsten gar nicht dort auftauchen. aber ich möchte ihn auch gerne sehen, also gehe ich trotzdem hin. die tür ist zu, eine klingel gibt es scheinbar nicht, also setze ich mich erstmal hin und warte ein paar minuten. um mich abzukühlen. aber innerlich bin ich eh angespannt. wie wird unser wiedersehen wohl sein?

ich tippe ihm eine sms, dass ich vor dem s.b. sitze. und warte. denke an die alten treffen. und frage mich, ob er sich nun doch nicht traut, herauszukommen.

nach einer weile schreibe ich ihm erneut: „dann gehe ich mal wieder“. und gehe zum südbahnhof, fahre mit dem zug zum hauptbahnhof. als ich im zug sitze, kommt seine antwort. ich hätte mal anklingeln sollen. und er habe jetzt noch was zu tun, und dann bis später.

ich stelle mein gepäck ins schliessfach und laufe ins zentrum. es ist wenig los, und ich fühle mich fremd. die stadt ist leer, leer und hässlich. wollte ich nicht mal hierherziehen? wie liebe doch die sichtweise ändert.

ich weiss nicht, wo ich hinlaufen soll, habe keinen stadtplan. gehe in die gera-arcaden und bummle ein wenig durch die fussgängerzone, oder was auch immer das sein soll. suche ein internetcafe, denn ich habe für heute abend in hamburg auch noch keine unterkunft. die bücherei macht erst um 14 uhr auf. naja, erst mal abwarten.

der pinguinbrunnen

am puschkinplatz

verstaubt und altmodisch

geraer charme

übergrosse blumentöpfe

fussgängerzone

in der fussgängerzone verabrede ich mich mit jana, um 16 uhr treffen wir uns an der leipziger str., sie kommt mit dem auto, ihre zwei mädels sitzen hinten auf der rückbank. ich gucke mir j. erstmal an, denn ich hatte schon fast vergessen, wie sie aussieht. das ist also w.’s freundin. sie hat abgenommen, sieht gut aus. ich hatte sie anders in erinnerung. wir halten smalltalk, alles gut. ich finde sie sympatisch. frage mich, ob w. es sich anders überlegt hat, sie scheint ihn gar nicht abzuholen, sondern fährt direkt zum zoo. als ich aussteige und den mädels die tür öffne, steht er auf einmal vor mir. huch! wo kommt der denn auf einmal her, hab ihn gar nicht gesehen. wir begrüssen uns mit handshake und küsschen auf die wange. früher hatte er mich immer umarmt. er begrüsst direkt die kids, ganz herzlich und fängt an, mit ihnen herumzuschäkern. wie er seine freundin begrüsst hat, habe ich vergessen, ich habe nicht hingesehen.
er fragt mich, ob ich gut geschlafen hätte. ich sage, nicht so viel, ich hatte zuviel nachgedacht. er sagt, er habe nachts nochmal auf sein handy geguckt, und weil ich nichts anderweitiges geschrieben hatte, ist er davon ausgegangen, dass ich gut angekommen sei. ich frage: warst du noch wach?“ er: „nein, aber ich bin paar mal aufgewacht.“ – „hast du denn gut schlafen können? oder hattest du alpträume wegen mir?“ ich schmunzle, aber er sagt nein. er wacht nachts auf und denkt an mich…

wir gehen zur kasse, ich kaufe mir ticket. die frau an der kasse meint, wir könnten doch ein familienticket lösen. ich bin aber nicht die frau und mutter… die 4 kriegen also ein familienticket und ich zahle eine normale einzelkarte. kostet neuerdings 4 statt 2,50€.

zusammen laufen wir also durch den zoo, familiennachmittag mit meinem alten schwarm, seiner freundin und den kidsfühle mich irgendwie komisch dabei, was mache ich hier eigentlich? ich beobachte w. vorsichtig, ohne ihn anzustarren. versuche herauszufinden, was ich fühle. aber ich fühle – nichts. ich glaube, ich habe meine gefühle begraben. ich hatte es ihm ja vor ein paar tagen erklärt, einen vergeben mann kann ich nicht lieben. ich weiss nicht mal mehr, was ich in seinem leben will. ich gehöre da gar nicht rein. ich bin ja nicht einmal eine freundin für ihn. aber ich finde es gut, dass sie mich mitnehmen, mich teilhaben lassen an ihrem leben. ich habe keine familie, bin allein… ich bin immer die alleinstehende, die niemanden hat. ich weiss nicht, wo mein platz ist, wo ich hingehöre. ich bin einfach heimatlos…

w. gibt sich mühe, mit mir ein wenig small talk zu halten, ich rede nicht viel, höre und sehe eher zu, was er sagt oder tut… er kümmert sich sehr um die kids, wie ein papa.

erste station ist das streichelgehege. da wird claudy auch wieder zum kind. ich benehme mich in etwa wie die mädels, während w. und j. sich eher zurückhalten und uns zuschauen.

wir sehen eine wieselmama mit ihren jungen, bauernhoftiere wie schweine, hühner… toll finde ich auch die thüringer waldesel.

das begehbare affengehege ist zu, verdammt! das war doch der grund, wieso ich überhaupt in den zoo wollte… mal die affen aus nächster nähe erleben… so ein mist!

immerhin, ein affe lässt sich blicken, kommt an den zaun, und j. wirft ihm ein paar nüsse und rosinen zu.

ein paar gehege sind leer, ein waschbär lässt sich von mir aus seiner baumhöhle locken und schaut kurz raus, ein weisses reh, ein lama und emus sehen wir auch noch. alle tiere haben wir nicht angeschaut, weil ich etwas in eile war, wegen meinem zug. j. hat sogar noch für mich in hamburg im hostel angerufen um zu fragen, ob die noch ein bett haben. ich könne da einfach vorbeikommen, es sei genug frei. prima, also habe ich auch für die nächste nacht eine unterkunft.

wir fahren zum bahnhof und setzen uns noch auf ein getränk in ein café. dort erzählt mir w., dass er bald in münchen sein wird – auf einer hochzeit. ich sage, er könne ja anrufen, wenn er zeit habe, dann können wir ja vielleicht was machen… das gesicht, dass er macht, gleicht etwa dem, als wenn er in eine zitrone beisst. fast hätte ich laut aufgelacht. schon wieder was verkehrtes gesagt. aus uns wird nichts mehr. dieser mensch ist für mich unbegreifbar und unergründlich. ausserdem habe ich das gefühl, er hat noch weniger selbstvertrauen als ich. er kann es nur besser überspielen. mit seiner schelmischen und scherzhaften art versucht er das jedenfalls. er ist wirklich schüchtern. ist mir damals gar nicht aufgefallen. vielleicht war er auch nur eingeschüchtert von mir, keine ahnung.

als ich aufbrechen muss, bringt mich w. noch zum zug, j. und die kids fahren schon los. ist ja richtig mutig von ihm. und wirklich nett. er trägt meinen koffer und kommt sogar noch mit in den zug, wir reden noch kurz über den tag, er sagt, er fand es schön heute. na siehste, alles nicht so schlimm, oder, w.? ich sage ihm, schön, dass er doch noch zeit hatte, dass er sich doch noch getraut habe, mich zu treffen. einen moment länger, und wir wären wieder an der stelle gewesen wie damals, als ich ihn besucht hatte. es entsteht nun mal mehr nähe, wenn wir allein sind. aber mehr als „platonisches gern haben“ fühle ich nicht. vielleicht, wäre er nicht vergeben, dann wäre es anders. aber es ist ja gut so, wie es jetzt ist.

ich bin so froh, dass es so gekommen ist. wieso nur ist es immer so schwer, das zu kriegen, was man möchte? wäre ich nicht so penetrant gewesen, wäre das alles nicht passiert… und genau so wollte ich es haben. mir klarwerden über meine gefühle. loslassen können. alles wird gut.

willkommen im waldzoo

waldzoo heisst er ja berechtigt

das klau‘ ich mir, das nehm‘ ich mit

hey, mein mantel wird nicht gefressen!!!

schnucki

guck guck!

mmm, kuschelig

ih-aahh

thüringer waldesel

so klein

so gross!

welches schweinderl hätten’s denn gern?

mama, ich habe hunger!

gebrauchsanweisung für’s berberaffengehege

och nööö…

da hör ich was rascheln!

her mit den rosinen!!!

zum ersten mal „live“ gesehen

ein weisses reh

emo… äh – emu

der guckt aber drömmelig aus der wäsche

kurz vorm ausgang…

to be continued…

2 Gedanken zu “reisetagebuch – 17.05.11: gera

  1. Zu den Waschbären: komm mal hier vorbei, da siehst du die live. Und hörst sie auch. Wenn sie dich anfauchen, wenn du den Müll rausbringst (und dir drohen)… oder frühs um 4, wenn du grad ins Bett willst, der Waschbär aber meint, er müsse oben am Dachboden irgendwas umwerfen oder sich mit seinem Partner streiten 😉

    Übrigens danke für die Karte 😀 Hatte dir auch an dem Tag, an dem sie hier ankam, einen Kommentar bei FB hinterlassen (der wahrscheinlich wiedermal gefressen wurde)

  2. @ sam:
    die fauchen euch an? ja krass 😀 als ob es ihr müll wäre, hehe…

    ich hab deinen kommentar auf facebook sogar gelesen, glaub ich… 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s