reisetagebuch – 16.05.11: der tag der abreise

immer wieder kommt eine nachricht von j., sie versucht, eine unterkunft für mich für gera zu finden. ich sehe aber schon schwarz und male mir aus, wie ich die nacht irgendwo auf der strasse oder in einer kneipe verbringe. schicke w. eine sms und schreibe scherzhaft, dass ich mich bei ihm hinters haus lege, zu den pferden. oder in den wald. er könne ja morgens zum frühstück vorbeischauen. es kam zurück: „nix frühstück im freien, ich muss morgen arbeiten“. fand er wohl nicht so witzig wie ich. und es interessierte ihn scheinbar auch gar nicht, das ich keine übernachtung habe und draussen campieren muss. ich packte mir schon eine isomatte und eine luftmatratze ein, damit ich wenigstens nicht auf dem kalten oder nassen boden liegen muss.
denselben spruch schrieb ich dann auch j., denn mittlerweile verging mir selbst mein galgenhumor und ich gewann langsam den eindruck, dass die beiden sich meiner lage einfach nicht bewusst waren. dass sich j. so bemühte, eine pension für mich zu finden, fand ich zwar lieb, aber ich wurde den blöden gedanken nicht los, dass sie das nur machte, weil sie unter keinen umständen wollte, dass ich bei w. übernachte. sie schrieb dann auch: „nein claudy, das ist zu kalt!“ und sie finde schon was… nur das ich schon fast auf dem weg zum bahnhof war. ich schrieb ihr das auch und meinte, warum sich w. auch so anstelle, ich würde ihm doch nichts tun.

als ich gerade loswollte, kam die nächste sms, eine nummer von einer pension oder privatzimmer… ich schrieb ihr schon unter tränen, dass ich da nicht anrufen könne, ich hätte eine sozialphobie… dann schnappte ich mir mein gepäck und musste los. im treppenhaus klingelte mein handy, w. am apparat. was ist das jetzt??? er fragte, ob ich da angerufen hätte, bei der nummer, die mir j. gab… wie weiss er denn davon so schnell, sitzen die gemeinsam auf dem sofa und lesen sich gegenseitig meine sms vor??? ich schluchzte, konnte kaum reden, presste ihm meinen grund für’s nicht anrufen können heraus, und er fragte, ob er dort anrufen solle. ja, bitte. als er zurückrief, hatte er ein zimmer für mich gefunden, für 20€. da dauerte nicht mal 3 minuten. ich dankte ihm und er gab mir die adresse. eine ferienwohnung sei das. er schrieb auch noch, er habe ein schlechtes gewissen, aber es ginge einfach nicht bei ihm (ich hatte dich ja auch gar nicht gefragt…)

ich fuhr dann zum bahnhof und war erstmal mächtig erleichtert. meine nacht war gesichert!

im zug schrieb mir j. weiter nachrichten. sie meinte dann, sie habe evtl. sogar zeit morgen nachmittag, dann aber mit ihren kindern. ich fragte, ob die vielleicht lust auf den zoo haben, denn den wollte ich ja besuchen (wegen dem begehbaren gehege der berberaffen), und sie fand den vorschlag gut. und dann schrieb sie, w. würde dann auch mitkommen. ob das okay für mich wäre. ich verstand die welt nicht mehr. erst will mich keiner sehen, es meldet sich niemand, und dann haben beide zeit??? das soll mal jemand verstehen… aber ich war heilfroh, und meine laune auf meine reise kam endlich zurück. mir fiel eine riesen last vom herzen, dieser bleischwere stein, der mir ständig sagte, dass mich in gera niemand mehr sehen will.

in der ferienwohnung erwartete mich ein kleiner, untersetzter mann mit bierwampe, der auch nach bier roch. der war aber okay, zeigte und erklärte mir die die wohnung, und ich machte es mir gemütlich. natürlich bekam ich kaum ein auge zu, in meinem kopf kreisten die gedanken um den nächsten tag… aber ich hatte eine bleibe und musste nicht in gera herumirren, ohne stadtplan und bei regen und kälte.

w. schrieb übrigens nochmal, und wünschte mir eine gute nacht. und meinte, er sei morgen ab 10 uhr im s.b., es sei gleich um die ecke vom südbahnhof. eine einladung zum vorbeikommen? hm, das soll jetzt mal jemand verstehen. aber echt mal.

schlafplatz

sogar mit t.v.

…und küche

to be continued…

2 Gedanken zu “reisetagebuch – 16.05.11: der tag der abreise

  1. das zimmer sieht ja ganz ok aus und für 20€ geht auch.
    freu mich schon drauf wie deine reise story weiter wohl geht 🙂

  2. @ rotelocke:
    ja, das hat gepasst, war halt gera, einfach, aber sauber. es hatte natürlich nicht den charme der wohnung des thekenmanns *lach*

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