eingeengt

zur zeit fühle ich mich ganz komisch. ich schätze, ich bin inzwischen fast dort, wo ich nie hinwollte. kurz vor dem durchdrehen, kurz vor den panikattacken, kurz vor dem kurzschluss. ich weiss woher das kommt, kann mich aber selber nicht mehr herauskatapultieren. fühlt sich an wie ein sog, in dem ich gefangen bin. mich kotzt alles an. ich bekomme in der wohnung kaum noch luft, am liebsten möchte ich alle wände einreissen und zertrümmern, damit ich wieder freier atmen kann. aber es sind nicht die wände, die stören. das bin ich selber.  ich kann mich nicht mehr ertragen. dazu kommt dieses zwanghafte denken, dass ich nicht mehr unter kontrolle habe. ich bemerke manchmal erst später, dass ich mit mir selbst rede.  mir kommen ständig die tränen, und meine angst vor allem und jedem wird immer heftiger. ich habe es satt, ständig alles zu hinterfragen, mich zu fragen ob ich mich richtig verhalte und warum sich andere so oder so oder so verhalten, was der sinn des lebens ist und warum ich so bin wie ich bin…

vermutlich werde ich irgendwann in der klapse landen, wenn meine nerven nicht mehr standhalten. soweit wollte ich es nie kommen lassen, aber ich tue nichts dafür, um dem zu entgehen. ich werde also als tablettenabhängige enden. ausgerechnet ich, die nicht mal ein aspirin nehmen würde gegen schmerzen.

ich fühle mich so eingeengt, mir macht nichts mehr freude, jeder handgriff ist zuviel… ich weiss nicht, was ich will, was für mich gut ist, und ich lebe nunmal, also muss ich irgendwas tun wollen, aber ich weiss nicht, was.

verträge

langzeit-verträge sind irgendwie kacke. da soll man ein jahr im voraus wissen, was man in den nächsten 12 monaten macht. mein freenet-vertrag jedenfalls wird im april um ein jahr verlängert. blöd nur, dass ich evtl. gar kein ganzes jahr mehr hier sein werde. bzw. meine mama zieht ja vielleicht auch mal um. das heisst, ich müsste theoretisch bis zum 10. februar meinen dsl-account kündigen. aber ganz ohne internet, das kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. ich werde ganz sicher keine modempreise zahlen und auch kaum ins internetcafé gehen. es bleibt entweder dsl oder gar kein internet. tolle aussicht. werde ich mal mit mama drüber reden, wann sie denn nun vorhat, sich eine neue wohnung zu suchen.  was dann mit mir passiert, steht sowieso in den sternen. aber die sterne sagen ja, uns wassermännern wird gutes widerfahren… wenn das mal stimmt…

tja jedenfalls kann ich mich darauf einstellen, dass es evtl. bald heisst: goodbye world wide web!

ich hab‘ angst.

entschuldigen sie, darf ich sie mal was fragen?

als ich heute von der bücherei zur u-bahn ging, kamen 2 frauen auf mich zu. die eine hielt ein tonbandgerät und ein mikro von radio gong in der hand „haben sie kurz zeit? dauert nur ganz kurz!“ öhm, okaaay… sie drückte auf den aufnahmeknopf und erzählte mir, dass prinz harry bald heiraten wolle, und ob ich den heiraten würde. hä??? ich so: „nö.“  sie so: „warum nicht?“ ich so: „der gefällt mir nicht.“ kurzes gelächter. sie so: „aber der hat doch so viel geld.“ ich so: „geld interessiert mich nicht.“ sie guckt verdattert und sagt: „und sie würden prinzessin werden.“ ich halte einen kurzen moment inne und stelle mir vor,  ich sei eine prinzessin. ich konnte kaum mein grinsen unterdrücken. „äh, das steht mir nicht!“ 😀

waaah, was soll man auf solche fragen denn antworten? bin ich im falschen film oder was? versteckte kamera? das ist doch total absurd, allein die frage, ob man das tun würde…

ok, und dann kam noch eine frage. irgendwas zu diesem postfutzi, dessen namen ich noch nie gehört habe, zum glück hat sie das noch erwähnt, dass der das ist… der muss anscheinend für irgendwas strafe zahlen oder so, und wie ich das denn finden würde… ich hatte schon gar nicht mehr richtig zugehört, und meinte dann, da habe ich keine meinung zu, hab nur noch mit den schultern gezuckt…

ey mann, mich hat noch nie jemand auf der strasse interviewt, und nun kommt mal eine und dann stellt die mir so blöde fragen! und wie sie reagiert hat, als ich meinte, der interessiert mich nicht, und sein geld auch nicht… gibt so im ernst so viele frauen, die den heiraten würden, nur wegen des geldes?

okay, ich wollte schon immer in england leben, vielleicht sollte ich es mir nochmal überlegen… und ich würde mit der queen cucumbersandwiches futtern und a good cup of tea trinken…

royal claudy

geburt(stag)

gestern wurde ich 36 jahre alt. die tage vor meinem geburtstag waren schrecklich. ich werde immer so sentimental und traurig. frage mich, wer mir wohl gratulieren und wer mich vergessen wird. und jedes jahr das gezeter mit meiner mutter, die nicht weiss, was sie mir schenken soll. ich hatte kein einziges geschenk zum auspacken gestern. mir war es schon egal. und als mein bruder nach 23 uhr endlich kam, gab er mir wieder eine packung fondantkringel mit einem 20 euro-schein drangebunden. genau das gleiche wie zu weihnachten. ich kann nicht behaupten, dass mich das sonderlich gefreut hätte. und als ausrede kam wieder, er wisse ja nicht, was er mir schenken solle. warum versucht er dann überhaupt, mir etwas zu schenken? entweder man WILL etwas verschenken und dann tut man es, oder eben nicht…  meine mutter fragte 2 tage vorher dauernd, wann ich mir denn meine geschenke kaufen würde. und ich sagte, ich habe keine lust, mir selber welche zu kaufen. immerhin hatte sie es geschafft, mir ein paar süssigkeiten zu kaufen, und das, obwohl sie eine woche vorher noch meinte, das sei ja wohl nicht nötig…

mal abgesehen davon war es gestern aber ok. wir haben uns zwar auch ein paar mal gezofft, aber mein bruder ist wie immer an solchen feiern albern und lacht dauernd dreckig. und inmitten dem gezeter und gelächter meinte er „geile party“.  kaputte familie halt. es gab nudelsalat und kuchen, den wir aßen, während im tv die angehende dschungelkönigin heuschrecken, krokodilaugen und känguruhhoden gegessen hat. ingrid hat gewonnen. ich gönne es ihr, ich fand sie von allen am coolsten.

übrigens: das kind war gestern immer noch nicht da. das von yvonne. heute wurden die wehen wohl künstlich eingeleitet, kann also sein, dass es inzwischen raus ist. war ja schon 10 tage überfällig. sie wird mich anrufen, hat sie versprochen. ich würde schon gerne diesen winzling mal sehen.

ich bin oft verwirrt, was meine freunde angeht, ich weiss nie so genau, was sie gerade von mir halten und ob sie mich mögen. verhalten tun sie sich jedenfalls oft anders als ich es erwarte. ich kenne das nicht, dass man von einem freund eine auszeit braucht, freunde haben mich noch nie gestört, im gegenteil, sie dürfen an meinem leben teilhaben wie eine familie, also immer und jederzeit… aber okay, jeder hat eine andere auffassung von freundschaft. ich weiss das ja inzwischen auch, aber mir kommt es oft so vor als ob das bei mir eine störung, also nicht normal ist. weil ich oft das gefühl habe, die freunde schliessen mich aus ihrem leben aus. deshalb werde ich wohl auch vor meinen geburtstagen immer so weinerlich, weil ich weiss, jetzt melden sich wieder einige leute, die sich sonst nicht für mich interessieren, und gratulieren mir herzlich. ich bin aber auch die restlichen 364 tage im jahr hier.  sowas bringt mich immer etwas aus der verfassung, und meine gefühlswelt schwankt wie ein schiff im sturm.

aber vielleicht gebe ich anderen ja auch nicht immer das gefühl, dass ich sie mag. mit zuneigung habe ich ja so meine probleme, und ich sage vielleicht auch zu selten etwas nettes. aber immerhin, ich habe wohl so gut wie immer für wichtige menschen zeit, und das ist meine art zu zeigen, dass ich jemanden mag.

tja, 36 jahre… vor jahren schon war ich nicht mal sicher, ob ich dieses alter lebend erreichen werde, aber ich freue mich jedesmal, dass ich es wieder geschafft habe, ein jahr älter zu werden. mal gucken, was das neue lebensjahr so bringt, ich hoffe, was gutes.

wasser (ahha) = aachen

samstag stand ich um halb 6 uhr auf. meinen rucksack hatte ich schon gepackt, ich sprang noch kurz unter die dusche, machte mir käsebrötchen für die fahrt und aß ein bischen joghurt. den bahnhof erreichte ich zum glück früh genug, da hätte ich beinahe wieder vergessen, dass an der u-bahnhaltestelle münchner freihet ja gebaut wird und die bahn nur alle 20 minuten fährt. im ICE suchte ich mir einen platz ohne reservierung aus und machte es mir gemütlich.

um 7.23 uhr fuhr der zug ab, die sonne ging gerade auf:

leaving-munich2

tschüss münchen!

während der fahrt hörte ich musik und las „dorfpunks“, ab und zu blickte ich nur aus dem fenster und sah die bäume und schneebedeckten felder an mir vorbeirauschen.

kurz vor köln wurde ich einmal richtig nervös, als ich daran dachte, dass ich bald in aachen sein werde und vor vanessa stehen würde… spannend, jemanden zum ersten mal zu treffen! im regionalzug nach aachen beruhigte ich mich aber wieder.  um 13.09 uhr kam ich in aachen an und kaufte mir ein busticket gegenüber dem bahnhof. da soll sich mal jemand auskennen, an den busfahrplänen stehen ja gar keine stationen dran, und hätte ich nicht gewusst mit welchem bus ich fahren soll, hätte ich mich erstmal durchfragen müssen (und sowas mag ich nicht). in rheinischem dialekt bestätigte mir der busfahrer, dass er dorthin fährt, wo ich hin wollte.

vor dem haus war ich erst unsicher, ob es das richtige ist, um die ecke sollte der hauseingang sein, aber das sah irgendwie nicht nach wohnhaus aus, also ging ich erstmal noch ein haus weiter, aber die hausnummer stimmte dann nicht mehr, also zurück… und da stand sie schon vor mir  🙂 sie hatte schon auf mich gewartet und wollte gucken, wo ich bleibe. tja, und nach… hm… zwei jahren chatten? ich weiss nicht mehr, wie lange wir uns jetzt vom internet kennen,  aber ich hatte das gefühl, wir hätten uns schon oft getroffen. die nervösität verflog, und ich folgte ihr ins zimmer und wir quatschten erstmal, dann gingen wir noch zum supermarkt und dann gab’s nudeln. und irgendwann tauchten die anderen 5 lautis auf. und auch bei denen keine grosse überraschung, die habe ich mir genauso vorgestellt. tja wenn man täglich in einem forum abhängt und mitliest, und evtl. noch ein paar fotos von den leuten kennt, kann man sich das denken. also jedenfalls ich. wie ich bei den anderen ankam, kann ich nicht sagen, sie waren jedenfalls alle sehr nett.

als filmischen leckerbissen (hehe) gab es nightmare on elmstreet. das war lustig, und nach dem film quatschten wir weiter. viel habe ich wohl nicht gesagt, aber das ist ja normal bei mir. ich bin eben nicht besonders gesprächig. schon gar nicht in einer runde von mehreren leutchen.

irgendwann um keine ahnung wieviel uhr fuhren die ruhrpottler wieder, und vanessa und ich waren noch ziemlich aufgekratzt, wir quasselten noch im dunkeln eine ganze weile weiter, bis wir endlich einschliefen.

viel schlaf hatten wir beide nicht, und den sonntag vergammelten wir in der  wohnung, weil es dauernd regnete, und wir waren einfach zu schlapp, um irgendwas sinnvolleres zu tun als auf dem bett zu liegen und filme zu gucken, bei juno schlief ich auch direkt ein, und als wir später the darjeeling limited guckten, musste ich mich aber auch ab und zu zwingen, meine augen aufzuhalten, der film ist so ruhig… hab es aber doch geschafft, wach zu bleiben. anschliessend sind wir noch eine kleine runde um den block und über den friedhof gelaufen, es war zufällig gerade mal trocken, und ein bischen bewegung tat uns auch gut. dann machte uns vanessa noch einen kartoffelauflauf und bald gingen wir schlafen. fand ich auch gut, so konnte ich schlaf nachholen. leider wachte ich irgendwann auf und fragte mich, wieviel uhr es wohl sei. es war stockdunkel im zimmer und meine armbanduhr lag in meiner manteltasche am türhaken. erst wollte ich nicht aufstehen, weil ich befürchtete, vanessa könnte aufwachen. das aufblasbare gästebett knarzt etwas, wenn man aufsteht oder sich zu sehr bewegt. aber irgendwann musste ich pipi und ich wollte auch endlich wissen, wie spät es war. ein blick auf die küchenuhr verriet es mir: halb 3! ach herrje, da hätte ich aber lange auf das klingeln des weckers warten können. ich lag eine weile wach und holte mir dann meinen mp3-player und hörte musik, bis ich wieder einschlief.

tja dann kam schon der tag der abreise. da war ich schon traurig, dass ich schon wieder abreisen musste… vanessa musste auch früh raus, und um 8 uhr oder so begleitete sie mich noch zum bus und sagte mir, wo ich austeigen muss, wenn ich den dom angucken will. ein kleines stückchen von aachen wollte ich dann doch noch sehen. kaum stieg ich am elisenbrunnen aus, fing es auch schon an zu tröpfeln… toll. nach dem „brunnen“ habe ich übrigens vergeblich ausschau gehalten 😀 bis auf den geldbrunnen habe ich da keinen gesehen, hehe… ich hatte ja eher an sowas hier gedacht:

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der hühnerdieb geht um...

das ist der hühnerdiebbrunnen. den habe ich eher zufällig entdeckt, als ich in den strassen herumlief. das wetter war ja nicht gerade sightseeing-geeignet, und ich kaufte mir erstmal einen regenschirm bei schlecker. und dann lief ich noch ein bischen in der fussgängerzone herum. überall kann man aachener printen kaufen. hätte ich doch eigentlich welche mitnehmen müssen, wenn ich schon mal da bin. naja, nächstes mal vielleicht.

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printen, überall printen

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da versteckt er sich also!

und irgendwie habe ich es auch nie  gepeilt, direkt zum dom zu kommen, aber ein stückchen davon habe ich wohl gesehen, ich glaube, dass muss ich nächstes mal noch nachholen, mit fremdenfüherein vanessa 😉 ich bin ja zu doof, riesige bauwerke zu finden, haha.

ich musste dann auch zum bahnhof, denn ich wollte ja noch einen abstecher nach lüttich machen. der montag war eine halbe katastrophe. aber mehr dazu später. erst hatte ich noch glück, denn der nächste zug nach liège ging gleich. ich hatte etwa 5 minuten zeit, mir meine hin- und rückfahrt am automaten auszudrucken und zum zug zu eilen. hat aber gerade so gereicht, die zeit.

belgien ist ja gleich nebenan,  und der zug war ein versifftes klappriges teil, ich mag das aber, das hat charme.

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liège-guillemins, bahnhof

der bahnhof guillemins ist schon eine sehenswürdigkeit für sich, architektonisch sehr interessant gestaltet. eine tourist information gibt es am bahnhof anscheinend nicht, und so bin ich blind drauflos gelaufen. dass das nicht unbedingt gutgeht, vor allem wenn man nur begrenzt zeit hat, hätte ich doch wissen können. bin schliesslich nicht das erste mal unterwegs. tja ich bin dann einfach mal in richtig „centre“ gelaufen, und irgendwann kam ich an der fragnee-brücke an, die ich überquerte. da fliessen die maas und die ourthe zusammen, und die engel haben schon was erhabenes.

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engel

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fragnee-brücke

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mach doch mal einer das licht an!

das wetter war noch recht durchwachsen, es fing immer mal wieder an zu tröpfeln, aber mit der zeit wurde es freundlicher. meine laune dagegen wurde immer düsterer. als ich die maas überquerte, stand ich an einer kreuzung, und in 3 verschiedenen richtungen zeigten weisse pfeile nach „centre“. wohin sollte ich denn nun laufen, nach links, rechts, oder doch in die andere richtung? ich lief mehrmals hin und her und war langsam am verzweifeln. passanten fragen wolllte ich nicht, weil mein französisch nicht mehr das ist, was es mal war (und damals war es auch nicht besonders gut). ich dachte die ganze zeit, wollen die mich hier verarschen??? dass die zeichen eher für autofahrer sind, war mir klar, aber was macht man als fremder fussgänger? die ganzen umwege gehen? zum glück fand ich auf einmal einen stadtplan, und ich fand heraus, dass man einfach die maas entlang laufen muss. fragt sich nur noch, in welche richtung. sowas wie strassennamen gibt es in belgien kaum. an den bussen, die an mir vorbeifuhren, stand oft „opera“ oder „cathedrale“, und ich folgte ihnen einfach.

so latschte ich zwischen der maas und einer grossen schnellstrasse richtung zentrum. besonders einladend wirkte die stadt bisher ja nicht, übrigens ist alles ganz schön abgefuckt, es stinkt und gleich 2 leute schnorrten mich um geld an. hatte ich schon ganz vergessen, dass es dort viel dreckiger ist als bei uns.

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ein schiff wird kommen...

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dunkle wolken und möwen über der maas

ich lief und lief und irgendwie hatte ich nicht das gefühl, ich sei richtig. mir tat alles weh und ich war müde und genervt. kurz bevor ich den schmalen streifen am fluss wieder verliess, setzte ich mich auf eine bank und ruhte mich aus. meine schultern schmerzten vom rucksack, der mir auf einmal so schwer vorkam wie blei.  eine möwe flog heran und ich gab ihr ein paar krumen von meiner quarkschnecke,  immer wieder blickte ich nervös auf die uhr. ich hatte 3 stunden zeit, und ich merkte schnell, dass ich eine stunde länger einplanen muss, wenn ich noch was von der stadt sehen wollte. ich ärgerte mich, dass ich nicht einfach den bus nahm, ich habe die grösse der stadt wohl unterschätzt. aber ich bin ja auch nicht hier, um mit einem bus zu fahren, ich will ja was von lüttich sehen. also ging ich mutig weiter, und endlich war ich in einer gegend, die sehr nach innenstadt aussah. viele kleine geschäfte und buntes treiben auf den strassen. nun kann es ja nicht mehr weit sein bis zur kathedrale, dachte ich. ich bog in eine strasse links ein (links ist immer der rechte weg) und versuchte mich weiterhin an den bussen zu orientieren. nur dass auf einmal die busse gar nicht mehr zur cathedrale oder zur opera fuhren. mist. und dazu ging es ständig bergauf. ich bin es nicht gewöhnt, dass strassen eine steigung haben, das hat zwar seinen charme, ist aber für mich super anstrengend. irgendwo blieb ich mitten auf dem gehsteig stehen, öffnete eine dose energydrink und trank sie in wenigen schlucken aus. von einer kathedrale keine spur. ich lief einfach weiter und folgte meinem instinkt, war jetzt auch schon egal, das ist eben alternatives sightseeing hier, was soll’s. irgendwann geht’s auch wieder bergab. und immerhin wurde ich mit der aussicht belohnt:

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blick nach unten

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blauer himmel über der stadt

irgendwann kam ich sogar zu einer kirche, bei der ich aber sicher war, dass es nicht die kathedrale sein kann, so ruhig wie es hier war. keine menschenseele auf der strasse ausser mir. die kirche, vor der ich stand, heisst auch basilique saint-martin. ich komme nie an, dachte ich immer wieder. und dann sah ich eine treppe, die recht steil nach unten ging. es war zwar leider nicht die montagne de bueren, die ich auch gerne gesehen hätte, aber ich ging dennoch die alten, ausgelatschten stufen hinunter und kam endlich dort an, wo ich seit 4 stunden hinwollte.

treppe2

viele stufen

die wolken verziehen sich...

cathedrale saint-paul

das problem war, dass ich nun zurück zum bahnhof musste,  und diesmal nahm ich wirklich den bus, zu fuss hätte ich es schon zeitlich nicht mehr geschafft. eine nette frau an der haltestelle erklärte mir auf englisch, welche buslinien  ich nehmen kann, und das ticket kostete sogar nur 1,30 €, das ist ja günstig.

ich weiss jetzt, warum die menschen immer stadtführer und -pläne kaufen. einfach mal so ins blaue hinein loslaufen ist manchmal keine gute idee. und ich habe dort nicht mal ein paar ansichtskarten gefunden, sowas nehme ich mir eigentlich immer gerne mit, als andenken.

tja und weil es ja noch nicht genug war, kam dann die böse überraschung: mein zug nach aachen hatte 15 minuten verspätung. toll, wenn man nur 10 minuten zeit zum umsteigen hat, um den zug nach köln zu erwischen. ich war den tränen nahe. ich hatte schon die befürchtung, ich strande in aachen… merde, zut alors! zudem wäre auch ein sprachführer hilfreich gewesen, denn durch die verspätung wurde mein zug einmal auf das gleis gegenüber versetzt und dann sogar auf eine anderen bahnsteig. und ich wäre da noch gestanden, wenn ich nicht zufällig einen jungen mann gehört hätte, der einem älteren ehepaar auf englisch sagte, dass der zug jetzt auf bahnsteig 6 abfährt. verdammt, was machen die mit mir? ich also die rolltreppe hoch und wetze zu platform 6, steige ohne zu wissen, ob das wirklich mein zug ist ein, und da fährt er auch schon los.

pünktlich komme ich in aachen an und fahre also mit dem wirklich letzten zug, den ich benutzen kann an diesem tag, nach köln. soweit so gut. dann stehe ich in köln und warte auf meine ICE. und dann hiess es, in köln-deutz sei ein feuerwehr-einsatz, und der zug verspätet sich auf unbestimmte zeit. ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll. ich war einfach nur müde uns wollte in mein bett. ich war ja schon heilfroh, dass ich diesen zug nicht verpassen würde. und mit 25 minuten verspätung kam er dann auch an. diese 25 minuten verspätung wären auch kein problem gewesen, planmässige ankuft in münchen war 0.25 uhr. bis kurz nach 1 uhr fährt ja auch die u-bahn, das geht ja noch, da komme ich noch heim…

der witz war nur, bis ich in münchen ankam, sind aus 25 minuten 55 minuten geworden. um kurz vor halb 2 uhr konnte ich die u-bahn vergessen, da war schon betriebsschluss. und auf der mvv-anzeige stand, das gerade eine nachttram wegfuhr. auch das noch, die nachtlinien fahren nur 1 x die stunde. fluchend und verzweifelt dachte ich, ok, ich versuch’s, 5 minuten zeit, um zum stachus zu kommen, da ist der knotenpunkt für die nachtlinien, die alle um 5 nach halb losfahren. scheisse! ich rannte zur s-bahn und zum glück erwischte ich gleich eine. wie lange einem eine verfickte station vorkommen kann… schnell raus und durchs zwischengeschoss, zum bus, zum bus, oh nein, das schaffe ich nie, verdammt…

…ich hab ihn noch gekriegt, auf den letzten drücker, einen moment später fuhr er los. ich sass japsend im bus und bekam kaum noch luft. und das alles in dem zustand, in dem ich mich befand. ich war fix und feddich.

aber schön war’s ja dennoch, bischen abenteuer ist wohl immer dabei, wenn ich auf reisen gehe. bin halt kein pauschalurlauber, das wäre auch viel zu langweilig, wenn alles komplett durchgeplant wäre und klappen würde…  aber in zukunft gucke ich wenigstens vorher im internet nach, wo sich die touristen-information befindet, damit ich auch einen stadtplan bekomme. das spart zeit. und nerven.

und ausserdem ist es doch immer viel schöner, nette menschen zu treffen, als alleine herumzugurken. das aachen-wochenende war jedenfalls total schön. und ich hoffe, ich kann (und dar) bald wiederkommen.