liegen (lernen)

weihnachten ist so gut wie vorbei. es wurde gefressen, beschert, hier und dort geschimpft und rumgemault,  dieses jahr gab es zum ersten mal keinen tannenbaum (meine mutter hat geheult) und morgen geht alles wieder seinen gewohnten lauf.

ich habe viel geschlafen, die müdigkeit überkommt mich einfach, ob es am winter liegt oder daran, dass ich einfach zu dick und /oder krank bin, keine ahnung, aber das sandmännchen streut mir immer wieder sand in meine äuglein und dann lege ich mich hin und schlafe eine runde. zum beispiel als ich vorhin im bett lesen wollte. mehr als ein paar seiten schaffe ich nie, und schon fangen meine augen an sich anzufühlen wie blei, und ich lese die restlichen zeilen dann immer mit einem auge, das andere kneife ich zu, damit ich nicht gleich wegpenne. ich lese im moment übrigens „liegen lernen“ von frank goosen.  und ich habe ständig den eindruck, goosen schreibt über m.,  wie er die beziehungen, gedanken und handlungen des protagonisten helmut beschreibt, das passt wie die faust auf’s auge. wie er von einer frau zur nächsten rennt, sie anbaggert und mit ihnen ins bett geht, weil er das gefühl hat, er müsse mal wieder ein „erfolgserlebnis“  haben, wie er seiner freundin fremdgeht und als sie ihn fragt, warum er das getan habe, sagt „ist halt so passiert…“, das kommt mir alles so bekannt vor…  und dieses emotionslose rumgemache, von hier nach dort und von hü nach hott… tja, ist das nun der prototyp des mannes? ich empfinde einen leichten hass und auch ekel beim lesen, aber es ist auch so authentisch und banal beschrieben, so normal, wie das leben eben ist.  ich lese es mit einem gemischten gefühl, einerseits verachte ich diese art von mensch, andererseits zieht mich die geschichte aufgrund meiner eigenen erlebnisse an. man findet sich wieder, das macht das buch wohl aus. ich schätze, fast jeder wird sich diesem buch irgendwo wiederfinden. als frau kann man sich auf alle fälle bei diesem buch mit dem gedanken „beruhigen“ oder „trösten“, dass ja alle männer schweine sind und sie ja nix dafür können, wie sie nunmal sind… schwanzegsteuerte wesen.  aber so leicht kommen klischees bei mir nicht durch, leider.

ich weiss nicht, wie ich meine gefühle ordnen soll, habe ich eher mitleid mit m. oder verachte ich ihn dafür, dass er so ist, wie er ist? beides gefällt mir nicht besonders. mir wäre lieber ich würde gar nichts für ihn empfinden oder ihn einfach nur liebhaben. aber wenn schon beim lesen eines buches alte gefühle und erinnerungen hochkommen, was soll ich noch tun, um diese gefühle loszuwerden? mich erschiessen? ich kann auch den rest meines lebens im bett verbringen und gar nichts mehr tun, aber ich fürchte, selbst das wird nicht dazu beitragen, dass ich ihn vergesse.

nachmittags war ich übrigens am see, ein paar runden auslauf und frische luft schnappen. es war sehr eisig und jedesmal, wenn ich menschen begegnet bin, waren sie mindestens zu zweit unterwegs. bis auf eine alte dame.  alle hatten einen partner oder ein anderes familienmitglied oder freunde dabei. mir fiel das auf, weil ich, wenn ich spazierengehe,  immer alleine unterwegs bin. und ich würde auch nie jemanden fragen, ob er mitgeht, für mich ist es total normal, alleine spazieren zu gehen. aber so normal scheint das nicht zu sein. die wenigsten menschen gehen alleine spazieren. und wenn sie nur ihren hund dabei haben.

normalwerweise hätte ich traurigkeit empfinden müssen, aber viel schlimmer: ich war froh, dass ich alleine bin. mir macht das nichts aus, alleine zu sein. ist das ein grund zur sorge?

Ein Gedanke zu “liegen (lernen)

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