geld und was man damit alles machen kann

ich stosse schnell an meine psychischen grenzen. das musste ich heute wieder feststellen. habe heute zweimal mit mir kämpfen müssen, obgleich das erlebte totale alltagsgeschichten sind.

1. ich ging zur sparkasse. ich mag keine banken und auch in eine sparkasse gehe ich nicht besonders gerne. die sind mir zu steif und wirken immer so konservartiv. allerdings hat meine ablehnung gegenüber diesem geldinstitut doch etwas nachgelassen, weil ein gewisser junger mann (ihr wisst schon) mir mal erzählt hat, dass die eigentlich noch am sozialsten sind. jedenfalls bin ich da heute rein, weil ich eine bareinzahlung machen wollte. und weil der empfänger bei der sparkasse ist, dachte ich noch, das wird vielleicht weniger gebühren kosten als bei einem fremden geldinstitut. schon alleine der gang zum schalter erweist sich als schwierig. also die frage nach einer bareinzahlung, denn ich habe keinen schein entdeckt, den ich vorab ausfüllen konnte. so stammelte ich erstmal was von bar-überweisung, bis ich merkte, dass ich das was falsches gesagt habe. aber ich konnte der frau doch noch übermitteln, was ich vorhatte. sie fragte, ob ich hier ein konto hätte, was ich verneinte. dann gab sie mir den schein zum ausfüllen und sagte noch, das kostet aber 8 € gebühren. puh, 16 mark für einmal geld verschicken, das ist ja abartig. aber ich war auf sowas gefasst und füllte meinen zettel aus. während die frau die überweisung in den computer tippte, fragte sie mich, wo ich denn mein konto habe. und ich verriet ihr, dass ich gar keins habe. sie guckte erstaunt und fragte wieso. und schon schossen mir die tränen in die augen. ich hasse es, eine frage mit „ich habe keinen job“ zu beantworten. und meinte noch tapfer, dass man doch nirgends ein konto bekommen würde, wenn man keine monatlichen zahlungseingänge habe (ich hab mich schon dumm und dämlich gesucht im internet). da blickte sie ihre kollegin an und meinte, doch das ginge schon, mit einem guthabenkonto, dass man halt nicht überziehen kann. und sie gab mir ihre karte, falls ich einen termin bekommen möchte um ein konto zu eröffnen. das fand ich ja nett, und ich hoffe, sie hat meine tränen nicht bemerkt. ich kam mir wieder so dumm vor, dass ich bei solchen fragen sofort aus dem gleichgewicht komme.

2. ich ging zum discounter. sammelte mir dort ein paar sachen zusammen und stellte mich an eine kasse. weil die verkäuferin gerade weg war, stellte ich mich an die andere an. das war auch gut so, wie ich im nachhinein gemerkt habe. ich stand da also und packte mein zeug auf das band und sah noch, wie der frau ganz vorne ein zusammengefaltetes stück papier herunterfiel. ich konnte nicht genau erkennen was es war, tippte aber doch auf einen geldschein. in meiner schüchternheit dachte sich noch: die merkt das schon, oder zumindest die beiden frauen vor mir werden es ihr dann doch sagen. beide guckten sogar auf den boden, oder zumindest die vordere. dann bekam ich mit, wie die frau ganz vorne meinte, ihr sei ein 50 € schein abhanden gekommen, und in genau diesem moment bückte sich die frau dahinter und hob den schein auf. aber anstatt ihn der anderen frau zu geben, behielt sie ihn einfach und steckte ihn ein. sie blickte sich nicht mal um, das wäre ja auffällig gewesen. ich beobachtete sie die ganze zeit und merkte, wie unagenehm ihr das war, aber weil ja scheinbar niemand etwas bemerkte, dachte sie wohl, es hat niemand gesehen.

und ich als beobachter fühlte mich so schlecht. ich sagte die ganze zeit zu mir, „das kannst du jetzt nicht bringen, dass du die frau mit dem geld entkommen lässt. sag was!“ und ich wartete weiter ab, ob es sich die diebin noch anders überlegt, aber ihr gesichtsausdruck strahlte so etwas wie schadenfreude aus. und als die frau mit dem verloren schein dann noch zur kassiererin meinte, sie wolle nochmal durch den laden gehen und suchen, ging ich vor zur diebin und fragte sie: „schämen sie sich eigentlich nicht? ich hab gesehen, wie sie den schein aufgehoben haben, jetzt geben sie ihn der frau zurück!“ anstandslos murmelte sie ein „ach so, ja, entschuldigung“ und zog sofort den fuffi raus. ob die kassiererin meinen satz hörte weiss ich nicht so genau, aber die andere bekam nur mit, dass der schein wieder da war, und als sie fragte, wo der lag, sagte ich ihr, da auf dem boden“, und dass die frau ihn gefunden hat. diese unehrliche kuh kann von glück sagen, dass ich sie nicht blossgestellt habe, und sie so quasi ihr gesicht wahren konnte. irgendwie hat es wohl keiner so richtig verstanden, wa da abging (ausser mir und der kuh). es war ihr ohnehin peinlich genug, und sie ärgerte sich in grund und boden. dass sah ich ihr an, als sie draussen an ihrem fahrrad herumwurschtelte.

die frau war sichtlich erleichtert und dankte mir noch mal. ich zitterte am ganzen körper, weil ich mich echt überwinden musste, meinen mund aufzumachen. scheiss schüchternheit. aber ich hätte heute nicht ruhig schlafen können, wenn ich nichts gesagt hätte. wie dreist können menschen eigentlich sein? wenn man auf der strasse einen geldschein findet, der nicht gerade irgendjemandem aus der tasche fällt, ist das ja noch ok. würde ich sicher auch machen. aber sowas…

ich bin froh, dass ich meine feigheit überwunden habe. und die frau ist sicher froh, 50 € sind ja schliesslich eine menge geld.

Ein Gedanke zu “geld und was man damit alles machen kann

  1. Hey, zwei Mal hast du dich überwunden und deinen Mund aufgemacht. Ich weiß ja,dass selbst so ne „Kleinigkeit“ wie der Gang zur Bank für dich etwas Größeres ist. Und dass du im Supermarkt die Diebin zur Rede gestellt hat, find ich sehr groß! Selbst weniger scheue Menschen machen ja in solchen Momenten nicht den Mund auf. Man denkt sich wohl: „Ist nicht mein Geld, dass da geklaut wird. Warum soll’s mich kümmern?“. Du kannst verdammt stolz auf dich seimn, Claudy. Ehrlich. 🙂

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