auf dem weg nach göttingen, irgendwo zwischen hildesheim und hannover oder so, ging ein heftiger regen runter, es regnete überhaupt den ganzen tag in der ecke. irgendwie passte das wetter schon zu meiner laune, die ich bald bekommen würde. teilweise kam sogar wieder die sonne kurz raus, uns als ich aus dem fenster schaute, sah ich einen wunderschönen regenbogen am grauen himmel.
als wir in göttingen ankamen, war es gerade trocken, aber das hielt nicht lange an. der laden, in dem die jungs spielten, war direkt in der fussgängerzone, das buff, wie die leute es dort nennen.
es war schon nach 18 uhr und ich wollte da ein wenig rumlaufen, schliesslich war ich in SEINER stadt. ich ging gerade los, als es wieder anfing zu regnen, mist. aber ich ging weiter, ich wollte mal die buchhandlung sehen, in der m. arbeitet. es gibt ja zwei filialen, aber zumindest die eine davon hab ich gefunden. ich bin einfach meinem instinkt gefolgt, und plötzlich stand ich davor. das war ein gefühl, das kann ich gar nicht beschreiben. hier geht er also jeden morgen rein, hier macht er seine ausbildung. der laden sieht spiessig aus. die ganze stadt sieht spiessig aus, und ausserdem ist sie tot. sonntags zumindest. kein wunder dass er die ganze zeit am pc hängt, was soll man hier auch unternehmen? ich bekam wieder mitleid, nur für einen augenblick, aber auch so etwas wie schadenfreude, wenn man es so nennen will. ich gönne ihm sein langweiliges leben von herzen. ich finde er passt da wunderbar hinein. ich war schon mal in göttingen und fand es nett, und diesmal fand ich es abscheulich dort. das liegt sicher an den umständen, mit denen ich diese stadt nun verbinde.
ich ging dann wieder zurück zum buff, und hab mich die ganze zeit gefragt, wie es wäre, wenn er mir jetzt plötzlich entgegenlaufen würde. und ich wäre so gerne, so wahnsinnig gerne zu seinem haus gegangen. aber ich glaube das ist etwas weiter weg von der fussgängerzone. ich glaube er hat mir mal gesagt, er müsse ‘ne halbe stunde zu fuss zur arbeit laufen, als ihm mal sein rad geklaut wurde. im grunde war ich froh, dass ich es nicht konnte, denn ich weiss nicht, ob ich es verkraftet hätte, ihn zu sehen.
meine laune ging so richtig in den keller, als ich an der bar ein spezi bestellte. als der barmann sagte, 3 euro, meinte ich, ich gehöre zur band. und er antwortete, nur bandmitglieder bekommen die getränke frei. ich glaube ich habe ziemlich verständnislos geguckt. mein bruder und alex standen gerade daneben und meinten zu ihm, ich wäre doch quasi von der crew, und der typ meinte, die sollen das mit dem chef absprechen. ich kann sowas nicht verstehen. man bekommt nicht mal eine verfickte cola umsonst, wenn man da arbeitet. als das geklärt war, hat mir der kerl gesagt, geht klar, und dann kam er nochmal und hat sich entschuldigt, aber er hätte halt seine anweisungen. ich habe danach kein getränk mehr bestellt, mir war es echt vergangen.
und dann sass ich im grunde da im vorraum die ganz zeit am cd-tisch und langweilte mich. und jeder gast, der hereinkam, erinnerte mich an m., den ich vor ein paar wochen gefragt hatte, ob er vorbeikommen wolle. und meine laune sank immer tiefer, bis mir schon die tränen kamen. mir wurde einfach klar, wie es ist. ich bin in seiner stadt und er will mich nicht sehen. so ist es also. damals wollte er immer, dass ich bei ihm bin, und heute kennt er mich nicht mehr. ich hatte so eine wut, ich hätte ihm am liebsten eine gescheuert. ich wusste gar nicht mehr, was ich fühlen soll, enttäuschung, wut, trauer, alles durcheinander. und am ende habe ich mich irgendwie abgestumpft gefühlt. ich musste das alles in mich hineinfressen und nett gucken, damit die leute nicht von mir abgeschreckt sind, weil sie ja eine cd kaufen sollen. immer lächeln, bitte recht freundlich. ich hab genau einen button verkauft. ich fühle mich jedesmal so nutzlos, wenn ich da sitze und nichts verkaufe.
und ich war müde. ich hatte vor der tour die ganze woche schlecht geschlafen, und seit berlin auch nur kurz. ich war übermüdet, und auf der fahrt nach nürnberg – wie war ich froh, als ich endlich aus dieser verdammten stadt raus war, mir fiel echt eine last vom herzen – fror ich die ganze zeit, trotz schlafsack, in den ich mich eingemummelt hatte. um halb 6 uhr morgens kamen wir in nürnberg in alex’ wohnung an. der montag war ein day off, so konnten wir dort pennen ohne extra ein hostel zu bezahlen. das problem war, ich konnte nicht schlafen. ich hatte mein gästebett dabei und lag in der küche. in der wohnung war es kalt, so kalt, dass ich nicht einschlafen konnte. ich lag da und bibberte und meine füsse und hände waren eiskalt. ich drehte die heizung auf, aber sie ging nicht. ich war verzweifelt. die anderen schliefen ja schon und ich wollte alex nicht wecken, was hätte er auch tun können? ich hatte ein nachthemd an und zwei paar socken, und zog mir dann noch eine jogginghose an und meine strickjacke, mit kapuzue über den kopf gezogen und versuchte nochmal, mich hinzulegen. irgendwann stellte ich den backofen an, in der hoffnung, dass es dann wärmer wird. ich war fix und fertig mit den nerven. und als das mit dem backofen auch nichts nütze, fing ich an zu heulen. ich war einfach so müde, dass meine nerven durchgingen. ich kann so nicht schlafen, ich brauche wärme. ich wollte in mein bett. und dann entschloss ich mich, nach hause zu fahren. zum glück war ich in nürnberg, so konnte ich mit dem bayern-ticket fahren. ich schrieb den jungs einen zettel, dass ich das nicht packe mit der tour, packte meine sachen und verliess die wohnung. mir war alles egal, ich wollte nur noch nach hause und schlafen.
19 € kostete das ticket, aber das war mir egal. ich kam nach hause, schlief 9 stunden, war dann 2 bis 3 stunden wach und schlief wieder 8 stunden. jetzt geht es mir wieder besser.
scheisse, dass ich das mit dem pennen nicht auf die reihe kriege. aber ich muss auch auf meinen körper hören, und der sagte, stop. ich werde immer depressiv, wenn ich nicht genug schlaf bekomme. das kann ich nicht, das geht nicht mehr. ich glaube, ich bin zu alt für sowas. und was mich zudem noch nervt ist die tatsache, das ich von den dreien strundenlang im auto zugequalmt werde, was ich absolut eklig finde. die klamotten stinken jedesmal so, dass man sich echt nicht mehr wohlfühlt. und wenn wir irgendwo zu fuss unterwegs sind, muss ich jedesmal hinterherhetzen und kann kaum schritt halten, weil die jungs halt schneller gehen als ich. es kommt ja keiner auf idee mal langsamer zu gehen (sowas tun männer nur für ihre freundin, da können sie es auf einmal). und wenn ich etwas zu essen kaufen will, muss ich durch den supermarkt hetzen und mich beeilen. die anderen brauchen ja immer nur kaffee, zigaretten und mal eine packung schokoriegel oder ‘ne bratwurst. ich bin einfach nicht die richtige begleitperson für diese band, ich bin zu anspruchsvoll und vor allem bin ich ein mädchen.
aber die zwei tage in berlin und göttingen, so scheisse der 2. tag auch war, möchte ich nicht missen. es war ein gute erfahrung für mich. etwas, was ich brauche, um einen schlusstrich zu ziehen. irgendwann.


Apr. 16 th 2008, 8:40 at 8:40
Mal abgesehen von den Psychosen, die diese Stadt offensichtlich bei dir verursacht (was fährst du auch freiwillig da hin?), halte ich Göttingen eigentlich für eine schöne Stadt. Ist zwar ein bisschen ab vom Schuss und vielleicht auch etwas zu klein, aber dafür schön vom Stadtbild her.
Apr. 16 th 2008, 10:07 at 10:07
freiwillig… naja, ich hatte eigentlich keine wahl, mein bruder besteht drauf, dass ich immer mitfahre
das stadtbild finde ich auch hübsch, ich mag die vielen fachwerkhäuser. vielleicht kam es mir auch einfach so tot vor, weil ich ja gerade aus berlin kam. da wirkt die stadt natürlich umso langweiliger und kleiner.
Aug. 31 st 2008, 10:37 at 10:37
Wenn Göttingen für dich tot ist, dann fahr lieber NIEMALS in so Städte wie Hannover, Northeim. Das wäre der totale Overkill